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Rainer Flöhl †: Sachkundig, kritisch und fair

Dtsch Arztebl 2016; 113(9): A-385 / B-327 / C-327

Jachertz, Norbert

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Rainer Flöhl, Foto: F.A.Z./Wonge Bergmann
Rainer Flöhl, Foto: F.A.Z./Wonge Bergmann

Dr. Rainer Flöhl, der am 14. Februar mit 78 Jahren starb, war zu seiner Zeit einer der einflussreichsten Medizinjournalisten. Das lag einmal am Medium, der Frankfurter Allgemeinen, zum anderen an ihm selbst: Er war sachkundig, wo nicht, informierte er sich gründlich, schrieb so anspruchsvoll wie verständlich und war kritisch im besten Sinne, nämlich abwägend und unabhängig.

Flöhl wurde in Mannheim geboren, wuchs aber im Mainfränkischen auf, studierte Chemie und promovierte 1974 über ein biochemisches Thema. Da schrieb er schon längst im Feuilleton der Zeitung, der er zeitlebens treu blieb. 1967 wurde er Redakteur. Den großen Sprung machte er 1980, als es ihm gelang, feste Seiten zu bekommen, die Beilage „Natur und Wissenschaft“, sein ganzer Stolz. Er entwickelte sie bis zu seinem Ausscheiden 2003 zu einem auch in der Fachwelt hoch geschätzten Medium. Manch wissenschaftlicher Autor, der in einem Fachorgan publiziert hatte, prüfte insgeheim nach, ob auch Flöhls Beilage ihn beachtet hatte.

Nicht ganz so glücklich wurde Flöhl mit der „Neuen Ärztlichen“, einer von der FAZ 1985 kreierten Tageszeitung für Ärzte. Flöhl fungierte nebenbei dort als Chefredakteur und Herausgeber, bis die Zeitung 1991 eingestellt wurde. Das lag weniger an Flöhl, sondern an den Anzeigenkunden, die eingängigere Publikationsorgane bevorzugten.

Rainer Flöhl bleibt uns so in Erinnerung: Er hört, leicht gebeugt, mit freundlicher Skepsis zu, hakt nach, sein heimatlicher Tonfall täuscht Harmlosigkeit vor und deutet eine Meinung an. Ob die auch in seinem Artikel aufscheint, weiß man erst, wenn er erscheint. Norbert Jachertz

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