Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Korrekterweise werden von der AWMF die möglichen Interessenkonflikte abgefragt, problematisch ist jedoch das fehlende Augenmaß in Deutschland, denn gemäß den Statuten ist jeder der Punkte unabhängig vom finanziellen Gegenwert zu titulieren. Beispiele, die diesen unsinnigen Wunsch nach vollständiger „political correctness“ erläutern sind zum Beispiel:

  • Firma A sponsert teilweise ein Ultraschallgerät einer Abteilung, das jeder Kollege benutzen kann
  • Firma B lädt auf einem Kongress zu einem Abendessen ein
  • Aktien der Firma C sind Teil der Anlage der Rentenversicherung einer Ärzteschaft
  • Firma D – Lunchsymposium – Erstattung der Ausgaben, kein Honorar
  • Co-Untersucher an einer multizentrischen Studie der Firma E, Plazeboarm, 100 Euro pro Patient.

Viel praxisnaher sind unsere US-amerikanischen Kollegen, die eine finanzielle Grenze bei der Bewertung der Interessenskonflikte eingeführt haben. Diese beträgt augenblicklich den Gegenwert der Summe von 10 000 US-Dollar/Jahr (1):

“A relationship is considered to be “significant” if (a) the person receives 10 000 US-Dollar or more during any 12-month period, or 5% or more of the person’s gross income; or (b) the person owns 5% or more of the voting stock or share of the entity, or owns 10 000 US-Dollar or more of the fair market value of the entity.”

Man kann nun durchaus darüber diskutieren, welcher Gegenwert angemessen wäre, dennoch ist eine klare Stellungnahme der Gesellschaften inklusive AWMF überfällig, die das geforderte Augenmaß definiert und somit diesem Übermaß an Regulierung Einhalt gebietet (2). Kein Kollege, der zum Essen eingeladen wird, ist im Interessenskonflikt beim Erstellen einer wissenschaftlichen Leitlinie.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0175a

PD Dr. med. Nikolaus A. Haas

Zentrum für Angeborene Herzfehler

Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen

Nhaas@hdz-nrw.de

1.
Giglia TM, Massicotte MP, Tweddell JS, et al.: Prevention and treatment of thrombosis in pediatric and congenital heart disease: a scientific statement from the American Heart Association. Circulation 2013; 128: 2622–703 CrossRef MEDLINE
2.
Schott G, Lieb K, König J, et al.: Declaration and handling of conflicts of interest in guidelines—a study of S1 guidelines from German specialist societies from 2010–2013. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 445–51 VOLLTEXT
1.Giglia TM, Massicotte MP, Tweddell JS, et al.: Prevention and treatment of thrombosis in pediatric and congenital heart disease: a scientific statement from the American Heart Association. Circulation 2013; 128: 2622–703 CrossRef MEDLINE
2.Schott G, Lieb K, König J, et al.: Declaration and handling of conflicts of interest in guidelines—a study of S1 guidelines from German specialist societies from 2010–2013. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 445–51 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Stellenangebote