ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2016Medizinische Indikation: Begriff ist einem steten Wandel unterworfen

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Medizinische Indikation: Begriff ist einem steten Wandel unterworfen

Dtsch Arztebl 2016; 113(10): A-445 / B-373 / C-373

Salomon, Fred

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„Indikation“ scheint ein selbsterklärender Begriff im ärztlichen Alltag zu sein. Näher betrachtet tauchen viele Fragen auf, die zum Nachdenken anregen. Das hervorragende Buch bietet dazu in 17 differenzierten Beiträgen medizinische, rechtliche, ethische und ökonomische Überlegungen und Argumente. Indikation als Begründung für eine Maßnahme ist zielorientiert. Da sich Ziele und Begründungen mit dem Wandel der Medizin ändern, ist auch der Indikationsbegriff dem Wandel unterworfen. Das zeigt Gahl in einem medizinhistorischen Überblick, der den Hintergrund für die aktuellen Aspekte der übrigen Beiträge und die Unschärfe des Begriffs „Indikation“ liefert. Marckmann plädiert sogar, auf den Begriff ganz zu verzichten.

Alle Autoren zeigen in ihrem Fach, dass Begründungen für Diagnostik und Therapien immer mehrdimensional sind. Neben medizinischen Algorithmen sind die Persönlichkeit des Patienten, seine Lebenseinstellung und das soziokulturelle Umfeld wichtig. Indikation hat als Werturteil ethische Dimensionen (Neitzke). Juristische Beiträge lenken den Blick auf Versicherungsrecht und Abhängigkeiten im Sozialsystem.

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Die Ökonomie nimmt breiten Raum ein. Viele Autoren lenken den Blick auf die ökonomischen Rahmenbedingungen und den Konflikt zwischen ärztlichem Hilfswunsch und Finanzierbarkeit. Maio benennt das Risiko, dass der Vorrang der Ökonomie das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient erschüttert. Chirurgen, Palliativmediziner, Neurologen und Psychiater bieten viele kommentierte Fallbeispiele, in denen die Brisanz der Indikationsstellung konkret greifbar ist.

Ein fast 50 Seiten umfassender Anhang mit Auszügen aus dem BGB, dem SGB V, der Berufsordnung sowie Empfehlungen der Bundes­ärzte­kammer scheint unter ökonomischen Aspekten erstellt zu sein, obwohl sie laut Buchautoren nicht so im Vordergrund stehen sollten.

Das Buch ist allen dringend zu empfehlen, die Indikationen stellen oder sich als Ethiker, Juristen oder Kostenträger damit auseinandersetzen. Fred Salomon

Andrea Dörries, Volker Lipp (Hrsg.): Medizinische Indikation. Kohlhammer, Stuttgart 2015, 282 Seiten, kartoniert, 44,99 Euro

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