ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1999Frühdiagnose der diabetischen Nephropathie: Mikroalbuminurie kann gestoppt werden

MEDIZIN: Diskussion

Frühdiagnose der diabetischen Nephropathie: Mikroalbuminurie kann gestoppt werden

Dtsch Arztebl 1999; 96(22): A-1503 / B-1279 / C-1200

Frühwald-Schultes, Bernd

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Christoph Hasslacher, Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Danne, Priv.-Doz. Dr. med. Peter T. Sawicki, und Priv.-Doz. Dr. med. Helmut Walter in Heft 1-2/1999
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LNSLNS Begrüßenswert ist, daß mit der Veröffentlichung des Artikels von Hasslacher et al. die diabetische Nephropathie in das Blicklicht einer breiten Öffentlichkeit gerückt wurde. Dies erscheint besonders angesichts einer weltweit steigenden Prävalenz des Diabetes mellitus und der Tatsache, daß die diabetische Nephropathie die häufigste Ursache für Dialysepflichtigkeit überhaupt ist (1), als dringend notwendig. Im oben genannten Artikel geben die Autoren eine sehr genaue Beschreibung der notwendigen diagnostischen Schritte zur Frühdiagnose der diabetischen Nephropathie. In dem Artikel wird deutlich, daß die diabetische Nephropathie mit relativ einfachen Methoden und geringem Aufwand schon im frühen Stadium der Mikroalbuminurie diagnostiziert werden kann. Eine Aussage darüber, warum es eigentlich so wichtig ist, eine diabetische Nephropathie im frühen Stadium der Mikroalbuminurie zu erkennen und welche therapeutischen Konsequenzen sich daraus ableiten, wird in dem Artikel leider nicht gemacht.
Daher möchte ich ergänzend hinzufügen, daß das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie im Stadium der Mikroalbuminurie durch geeignete therapeutische Maßnahmen noch gestoppt werden kann und eventuell sogar die Mikroalbuminurie zum sistieren gebracht werden kann, was in einem späteren Stadium (Makroalbuminurie) kaum mehr möglich ist (1, 2). Um eine Progression der diabetischen Nephropathie zu verhindern sind daher erstens eine möglichst gute Blutzuckereinstellung, zweites der frühzeitige Einsatz eines ACE-Hemmers (eventuell auch bei normotensiven Patienten) und drittens eine konsequente antihypertensive Therapie dringend erforderlich (1, 2).
Die von Hasslacher et al. vorgeschlagenen ergänzenden Untersuchungen bei Patienten mit beginnender Nephropathie wie beispielsweise "wiederholte Blutdruckkontrollen" und "eine Bestimmung des Lipidspiegels" halte ich für wichtig und sinnvoll. Um jedoch Mißverständnisse auszuschließen, sollte erwähnt werden, daß diese Untersuchungen auch bei Diabetespatienten ohne diabetische Nephropathie regelmäßig durchgeführt werden sollten. Gerade die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der UKPDS (3), welche eindrücklich einen positiven Effekt einer konsequenten antihypertensiven Therapie auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigen, unterstützen die Forderung nach regelmäßigen Blutdruckontrollen bei Patienten mit Diabetes. Ebenso konnte bereits gezeigt werden (4), daß die Senkung der Cholesterolspiegel bei Patienten mit Typ-2-Diabetes die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität wesentlich reduziert. Zusammenfassend sind zur Einleitung der genannten therapeutischen Maßnahmen regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks, der Lipidspiegel und der Albuminausscheidung bei Patienten mit Diabetes unabdingbar.


Literatur
1. ADA consensus statement: Diagnosis and management of nephropathy in patients with diabetes mellitus. Diabetes Care 1996; 19: 103-106.
2. The EUCLID Study Group: Randomised placebo-controlled trial of lisinopril in normotensive patients with insulin-dependent diabetes and normoalbuminuria or microalbuminuria. Lancet 1997; 349: 1787-1792.
3. UK Prospective Diabetes Study Group: Tight blood pressure control and risk of macrovascular and microvascular complications in type 2 diabetes: UKPDS 38. Br Med J 1998; 317: 703-713.
4. Pyorala K, Pedersen TR, Kjekshus J, Faergeman O, Olsso AG, Thorgeirsson G: Cholesterol lowering with simvastatin improves prognosis of diabetic patients with coronary heart disease. A subgroup analysis of the Scandinavian Simvastatin Survival Study (42). Diabetes Care 1997; 20: 614-620.


Dr. med. Bernd Frühwald-Schultes
Medizinische Klinik 1
Medizinische Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

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