ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2016Flüchtlingspolitik: Psychotherapeuten kritisieren Asylpaket II

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Flüchtlingspolitik: Psychotherapeuten kritisieren Asylpaket II

Bühring, Petra

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Flüchtlinge mit PTBS können künftig trotz ihrer Erkrankung abgeschoben werden. Foto: dpa
Flüchtlinge mit PTBS können künftig trotz ihrer Erkrankung abgeschoben werden. Foto: dpa

Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) kritisiert verschiedene Regelungen des Asylpaket II. Darin werde „eine Diffamierung psychischer Erkrankungen und eine Abwertung der sie behandelnden Psychotherapeuten und Ärzte sichtbar, die wir scharf verurteilen“, heißt es in einer Resolution.

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) gehören nach dem Gesetzentwurf nicht mehr zu den „schwerwiegenden Erkrankungen“, die eine Abschiebung verhindern. Psychische Erkrankungen seien nämlich „schwer diagnostizierbar und überprüfbar“. Sie sollen zudem demnächst durch jeden Arzt feststellbar sein, die bisher notwendige psychotherapeutische oder fachärztliche Begutachtung ist nicht mehr notwendig. „Die fachlichen Qualitätsstandards zur Begutachtung von Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren werden ignoriert“, kritisiert die DPtV. Auch die Aussetzung des Familiennachzugs gefährde die Wiederherstellung psychischer Stabilität.

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 Der Gesetzentwurf verkenne die Schwere von PTBS, die unter anderem Selbstgefährdung, Ängste, schwere Depressionen und Sucht zur Folge haben können. „Wir sind besorgt, dass die Bedeutung der psychischen Gesundheit für den Integrationsprozess unterschätzt wird.“

Gleichzeitig wendet sich die DPtV gegen jede Form von „gutgemeinter, jedoch fachlich unverantwortlicher Durchführung“ von psychotherapeutischen Interventionen durch angelernte Laien. Fachgerechte Gespräche, Diagnostik und Interventionen dürften nur von approbierten Psychotherapeuten oder Fachärzten durchgeführt werden. Jedoch könnten Laienhelfer oder Angehörige sozialer Berufe – auch Flüchtlinge selbst – qualifiziert werden und dann als „Trauma-fortgebildete Laienhelfer“ bei niedrigschwelligen Screenings, basalen psychoedukativen, stabilisierenden, ressourcenaktivierenden Maßnahmen und als „interkulturelle Mediatoren“ unterstützend eingesetzt werden. PB

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