ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1999N-Acetylcystein: Mukolytikum und auch Antioxidans

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

N-Acetylcystein: Mukolytikum und auch Antioxidans

Dtsch Arztebl 1999; 96(22): A-1507 / B-1266 / C-1184

Stoschek, Jürgen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Erlebt N-Acetylcystein (NAC) als Antioxidans eine Renaissance in der Pneumologie? Die Substanz, die ursprünglich in den 60er Jahren - allerdings ohne großen Erfolg - mit Hilfe von Düsenverneblern inhalativ eingesetzt worden war und die heute oral verabreicht wird, entfaltet offensichtlich nicht nur mukolytische Eigenschaften, die therapeutisch genutzt werden können. Neuere Forschungsergebnisse weisen nach Angaben von Prof. Rolf Meister (Bad Lippspringe) darauf hin, daß vor allem antioxidative Eigenschaften für den Therapieeffekt von NAC bei chronisch obstruktiver Bronchitis verantwortlich sind.
Im gesunden menschlichen Organismus befinden sich Oxidanzien und Antioxidanzien im physiologischen Gleichgewicht. Bei verschiedenen Lungenerkrankungen ist dieses Gleichgewicht jedoch gestört. So sei bei chronischer Bronchitis, bei zystischer Fibrose oder interstitiellen Lungenerkrankungen, aber auch nach Lungen­trans­plan­ta­tionen eine Abnahme der antioxidativen Kapazität beziehungsweise eine verringerte Konzentration von Glutathion (GSH) festgestellt worden, berichtete der Pharmakologe Prof. Aalt Bast (Maastricht) bei einem Workshop des Unternehmens Zambon anläßlich des 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Bad Reichenhall.
Für das alveoläre Gewebe stellten Oxidanzien eine ständige Bedrohung dar, erläuterte Prof. Roland Buhl (Mainz). Insbesondere bei Rauchern, aber auch bei der idiopathischen Lungenfibrose, der Mukoviszidose und beim akuten Lungenschock sei die Oxidanzien-Belastung ein wesentlicher pathogenetischer Faktor. Unter den antioxidativen Schutzmechanismen der Lunge nehme das Glutathion-System eine besondere Rolle ein, erläuterte Buhl.
Glutathion-Spiegel
N-Acetylcystein (Fluimucil®) fungiert als Prodrug von Glutathion: Nach oraler Einnahme wird NAC in der Leber deacetyliert, und das dadurch entstandene Cystein kann zur Glutathion-Synthese verwendet werden. Dieser Umstand werde im übrigen seit langem schon in der Behandlung von Paracetamol-Intoxikationen genutzt, berichtete Buhl. Neuere Untersuchungen hätten nun gezeigt, daß nach intravenöser oder oraler NACTherapie bei Patienten mit Lungenfibrose die Glutathion-Spiegel in der Lunge steigen. Dieser Effekt lasse sich für eine antioxidative Therapie der Lunge nutzen.
Mehrere klinische Studien mit einer großen Zahl von Patienten - darunter überwiegend Raucher, die an chronischer Bronchitis erkrankt waren - hätten eine protektive Wirkung von N-Acetylcystein bei Langzeitanwendung gegenüber Exazerbationen belegt, berichtete der Pneumologe Prof. Rolf Meister (Bad Lippspringe). In der Regel betrug die NAC-Tagesdosis in den Studien, die im Winterhalbjahr durchgeführt wurden, 400 beziehungsweise 600 mg, verteilt auf zwei oder drei Dosen. In den doppelblinden, plazebokontrollierten Studien kam es in den NAC-Gruppen zu einem Rückgang der akut entzündlichen Bronchitis-Exazerbationen, des Antibiotikabedarfs und damit letztendlich auch zu einem Rückgang der Krankheitstage. Von der Verminderung der Bronchitis-Exazerbationen profitierten vor allem Patienten mit vier und mehr Ereignissen während des Winterhalbjahres, teilte Meister mit.
Als Erklärung für die Wirksamkeit der NAC-Therapie gegenüber Plazebo werden die Mukolyse, der Schutz der Bronchialschleimhaut und der Zilienfunktion gegenüber inhalativen Toxinen, die Eindämmung der Entzündungsreaktion sowie ein günstiger Effekt auf die Makrophagenaktivität diskutiert. Jürgen Stoschek
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema