ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2016Psychotherapiefrequenz: Schnellerer Erfolg durch häufigere Sitzungen

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Psychotherapiefrequenz: Schnellerer Erfolg durch häufigere Sitzungen

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Psychotherapiesitzungen werden in unterschiedlicher Frequenz abgehalten: Manche Patienten kommen zum Beispiel zwei- bis dreimal wöchentlich zur Therapie, während andere nur alle 14 Tage oder seltener einen Termin haben. Amerikanische Psychologen haben jetzt den Zusammenhang zwischen Sitzungsfrequenz und Therapieerfolg überprüft. Dazu analysierten sie die Daten von 21 488 Psychotherapiepatienten, welche zwischen 1996 und 2014 erhoben worden waren. Die Patienten litten unter Anpassungsstörungen, Ängsten und Depressionen und wurden von insgesamt 303 Psychotherapeuten mit kognitiv-behavioralen, psychodynamischen, klientzentrierten, systemischen und integrativen Therapiemethoden behandelt. Die Autoren verglichen unter anderem die Heilungserfolge von Patienten, die einmal wöchentlich in einer 50-minütigen Einzelsitzung behandelt wurden mit denen von Patienten, die einmal innerhalb von zwei Wochen zur Therapiesitzung kamen. Sie stellten fest, dass sich bei der Hälfte der Patienten mit wöchentlichen Sitzungen innerhalb von sechs Wochen signifikante Verbesserungen ihres Zustands einstellten, während diese bei der Hälfte der Patienten mit 14-tägigen Sitzungen erst nach 21 Wochen zu beobachten waren. Die Befunde zeigten auch, dass sich die Therapieeffekte bei längeren zeitlichen Abständen zwischen den Sitzungen verflüchtigten und dass Therapien mit niedriger Sitzungsfrequenz daher etwas weniger effizient waren als hochfrequente Therapien. Die Autoren empfehlen Psychotherapeuten, ihre Patienten, zumindest in der ersten Phase der Therapie, so oft wie möglich zu behandeln. ms

Erekson D, Lambert M, Eggett D: The relation-ship between session frequency and psychotherapy outcome in a naturalistic setting. Journal of Consulting and Clinical Psychology 2015; 83(6): 1097–107.

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