ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2016GOÄ-Ratgeber: Immunhistochemische Untersuchungen

PRIVATABRECHNUNG

GOÄ-Ratgeber: Immunhistochemische Untersuchungen

Dtsch Arztebl 2016; 113(11): A-509 / B-428 / C-424

Pieritz, Anja

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Nach Novelle der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) 1996 konsentierte der Ausschuss für Gebührenordnungsfragen der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) 1998 und 1999 Beschlüsse zu der Abrechnung immunhistochemischer Verfahren. Auch ohne Veröffentlichung ist nach gängiger Rechtsmeinung (Kommentare zur GOÄ nach Brück et al., Deutscher Ärzte-Verlag und Hoffmann et al., Kohlhammer) für die histologische Untersuchung und Begutachtung eines Materials unter Anwendung eines immunhistochemischen Verfahrens zweimal Nr. 4815 GOÄ analog ansetzbar.

Stand der Wissenschaft und einer qualitativ hochstehenden Medizin ist, dass Tumoren mit Hilfe immunhistochemischer Verfahren weiter aufgearbeitet werden können, um die Tumorentität und/oder dessen Subtyp bestimmen zu können. Beispielsweise kann bei melanozytären Tumoren eine immunhistochemische Untersuchung auf „S 100“, „Melan A“ und „Ki 67“ sinnvoll sein. Hieraus ergäben sich – je zu untersuchendem Material (DÄ, Heft 7 und 9/2006) – drei immunhistochemischen Untersuchungen und folglich ein sechsmaliger Ansatz der Nr. 4815 GOÄ analog.

Teil des Beschlusses war auch, dass die Art der immunhistochemischen Untersuchung auf der Rechnung angegeben werden sollte. Diese Angabe erhöht die Transparenz (auch für erstattenden Stellen). Bei der Berechnung von mehr als drei immunhistochemischen Verfahren sollte zusätzlich eine diagnosebezogene Begründung auf der Rechnung aufgeführt werden. In vielen Fällen wäre die Angabe der Diagnose als Begründung bereits ausreichend. Man sollte jedoch Verständnis dafür haben, dass bei Tumorerkrankungen der behandelnde Arzt die Diagnose persönlich mitteilen möchte, welches auch von den Patienten so gewünscht sein dürfte. Folglich ist dieser Teil des Beschlusses in der Praxis nicht ohne weiteres umsetzbar. Als Begründung denkbar erscheint der Hinweis auf entsprechende Leitlinien.

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Zudem wurde konsentiert, dass bei der Anwendung von mehr als fünf immunhistochemischen Verfahren ab dem sechsten Verfahren die Nr. 4815 GOÄ analog nur noch einmal je immunhistochemischen Verfahren angesetzt werden könne. Bei der Anwendung von sechs immunhistochemischen Verfahren für ein Material wäre die Nr. 4815 GOÄ analog (fünf mal zwei plus eins mal eins) insgesamt elfmal berechnungsfähig.

Der Beschluss erfolgte in Anlehnung an die damalige Nr. 4930 des Einheitlichen Bewertungsausschusses (EBM). Die für eine Veröffentlichung vorgesehene künstliche Gebührennummer A 4830 findet man hin und wieder in Rechnungen. Da der Beschluss jedoch nicht veröffentlicht wurde, kann dies zu Irritationen führen. Die Darstellung auf der Rechnung sollte den Anforderungen von § 12 Abs. 4 GOÄ genügen (DÄ, Heft 6/2005 und 12/2008).

Seit 1998 hat sich die Immunhistochemie stark weiterentwickelt. Neben der damals bekannten qualitativen Auswertung gibt es auch die deutlich (zeit)aufwendigeren semiquantitativen Auszählungen am Präparat.

Dr. med. Anja Pieritz

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