ÄRZTESTELLEN

Kommunikation: Fünf Tipps für ein gelungenes Patientengespräch

Dtsch Arztebl 2016; 113(11): [2]

Kutscher, Patric P.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Es gehört zu den wohl wichtigsten und herausforderndsten Aufgaben der Ärztin oder des Arztes – und wird dennoch so wenig trainiert: das einfühlsame Gespräch mit dem Patienten. Wie es gelingt, ein Patientengespräch auf Augenhöhe zu führen.

Foto: Your Photo Today
Foto: Your Photo Today

Hektik, Stress, Überlastung, der dringende Ruf zum Notfallpatienten, lästige Verwaltungsaufgaben, mangelhaftes Zeitmanagement: Es gibt genügend legitime, aber auch vermeidbare Gründe dafür, dass zu wenig Zeit und Muße für das einfühlsame Gespräch mit dem kranken Menschen bleibt.

Tipp 1: Immer auf Augenhöhe begeben

Patient und Arzt reden aneinander vorbei, fühlen sich nicht verstanden. So entstehen die meisten Missverständnisse, die die Kommunikation erschweren. „Im Alltagsgeschäft vergessen wir Ärzte zuweilen, dass Fachexperten mit medizinischen Laien sprechen“, meint Dr. Gabriele Feller-Heppt, die eine Praxisklinik für Dermatologie in Baden-Baden betreibt. „Das ist menschlich verständlich, für ein zielführendes Patientengespräch jedoch hinderlich.“

Um sich dagegen zu wappnen, empfiehlt die Dermatologin, vor einem Patientengespräch eine Selbstreflexionsphase einzuschalten: Kurz bevor der Arzt zum Beispiel in der Klinik an das Bett eines Patienten tritt, atmet er innerlich durch und fokussiert sich darauf, sich nun in die Vorstellungswelt eines Menschen zu begeben, der die zu besprechenden Inhalte aus einer gänzlich anderen Perspektive wahrnimmt als er selbst: hier der spezialisierte Arzt, dort der leidende Patient, der sich in einer emotional schwierigen Situation befindet; immerhin geht es um seine Gesundheit und seine Zukunft.

Tipp 2: Verständliche und klare Sprache

Es gilt also, zwei unterschiedliche Vorstellungswelten zu parallelisieren und zu synchronisieren. „Wer sich dies immer wieder verdeutlicht und den Perspektivenwechsel trainiert und durchführt, wird automatisch seine Verhaltensweisen und vor allem seine Sprache der Situation anpassen“, weiß Feller-Heppt aus Erfahrung. Um es auf den Punkt zu bringen: Wer sich empathisch in die Patienten hineinzuversenken versteht, wird nicht in wissenschaftlich-medizinischer Fachsprache schwelgen. Er wird vielmehr strikt darauf bedacht sein, sich verständlich und nachvollziehbar für die Menschen auszudrücken, die aus verständlichen Gründen an den Lippen des Arztes hängen und zudem versuchen, „zwischen den Zeilen des gesprochenen Wortes“ zu lesen: „Er sagt, es sei alles in Ordnung, aber stimmt das wirklich?“

Entscheidend ist mithin, mit verbindlicher Eindeutigkeit zu kommunizieren, ohne großen Interpretationsspielraum zu lassen, insbesondere, wenn der Arzt schlechte Nachrichten mitzuteilen hat. Dies erfordert und verlangt ein Höchstmaß an Konzentration auf den Augenblick: Der Arzt sollte ganz bei sich sein und sich auf die konkrete Situation fokussieren.

Tipp 3: Mit Sensibilität und Fingerspitzengefühl

Die Herausforderung im Umgang mit schwer kranken Patienten besteht darin, weniger ein Gespräch von Arzt zu Patient, sondern von Mensch zu Mensch zu führen. So mancher Arzt baut allerdings einen Selbstschutz auf, um zu verhindern, sich allzu tief in das Schicksal des Patienten zu verstricken und in die Gefahr zu geraten, langfristig einen Burn-out zu erleiden. Aber natürlich darf der Patient nicht den Eindruck haben, vom Arzt als medizinisches Objekt oder als „der Darmkrebs auf Zimmer 16“ behandelt zu werden. Er muss das Gefühl haben, der Arzt wolle sich ihm auch als Mensch nähern. „So komplex und schwierig dies ist: Mit Fingerspitzengefühl und Sensibilität sollte der Arzt einen goldenen Mittelweg finden zwischen empathischem Sich-Einlassen auf das Patientenschicksal und Selbstschutz“, schlägt Gabriele Feller-Heppt vor.

Letztendlich geht es im Patientengespräch so gut wie immer um Empathie. Kommunikative Kompetenz beweist der Arzt, der Einfühlungsvermögen nicht nur im schwierigen Gespräch, sondern grundsätzlich an den Tag legt, weil es zu seinen Überzeugungen gehört, jeder Patient habe ein Recht auf einfühlsame Kommunikation.

Tipp 4: Einfühlsame Sprachmuster einsetzen

Aber die „richtige“ Haltung allein genügt nicht. Empathische Ärzte arbeiten überdies an ihrem kommunikativen Rüstzeug. So versichern sie sich, dass das Gesagte richtig beim Patienten ankommt, indem sie nachfragen, ob der Patient alles verstanden hat. Um ganz sicher zu gehen, kann der Arzt den Patienten bitten, das Gehörte in eigenen Worten wiederzugeben. Dabei sollte er Tonfall und Lautstärke berücksichtigen: Menschen achten nicht nur darauf, was gesagt wird, sondern wie jemand etwas sagt.

Des Weiteren dient es dem Verständnis und der Patientenorientierung, wenn der Arzt nicht wie ein Wasserfall Satz an Satz reiht, sondern seine Erläuterungen mit Pausen durchsetzt und strukturiert. Der Patient kann leichter folgen, wenn er Zeit hat, das Gehörte nachzuvollziehen und zu verarbeiten. Dabei hilft es ihm, wenn der Arzt immer wieder eine Frage einstreut und dem Patienten signalisiert, er wolle keinen Monolog halten, sondern einen Dialog mit ihm führen. Ärzte sollten ruhig und beruhigend kommunizieren. Dabei spielt die Körpersprache eine wesentliche Rolle. „Auch mit seiner Gestik und Mimik strahlt ein Arzt Ruhe, Besonnenheit, Verbindlichkeit und Sympathie aus, vor allem wenn er dies mit einem intensiven Blickkontakt kombiniert, mit dem er Vertrauen aufbaut“, sagt Feller-Heppt.

Falsch wäre es, wenn er mit dem gesprochenen Wort beruhigend wirken will, aber körpersprachlich hektisch agiert. Wort und nonverbale Signale sollten sich ergänzen.

Tipp 5: Reflexionsprozess in Gang setzen

Die Platin-Regel gelungener Kommunikation lautet: „Behandle andere Menschen so, wie sie selbst behandelt werden möchten.“ Dieser Grundsatz ist im Klinikalltag nicht immer leicht umsetzbar. Darum ist es richtig, wenn der Arzt seine Patienten zumindest so behandelt und mit ihnen so kommuniziert, wie er selbst behandelt werden möchte.

Patric P. Kutscher

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Ärztestellen

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige