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Als Koloproktologen, die sich regelmäßig mit pathomorphologischen Störungen der weiblichen Beckenorgane, des Beckenbodens und seiner Verschluss-Systeme beschäftigen, ist es uns ein Anliegen, auf Aspekte der Problematik hinzuweisen, die in dem Beitrag allenfalls am Rande Erwähnung fanden. Leider ist der Titel des Beitrages irreführend (1). Unserer Meinung nach wird in dem Artikel eigentlich nur die Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz sowie des Descensus genitalis abgehandelt. Viele Patientinnen leiden aber nicht nur unter einer Harninkontinenz, sondern auch unter einer Stuhlinkontinenz, manche auch nur unter einer Stuhlinkontinenz. Auch hierzu gibt es viele epidemiologische Studien, die aber nicht erwähnt werden.

Bei der Diagnostik der Beckenbodendysfunktion (Kasten 2) reicht laut dem Artikel in der Basisdiagnostik ein „Allgemeinarzt, Facharzt für Gynäkologie oder Urologie“. In der erweiterten Basisdiagnostik reicht ein „Facharzt für Gynäkologie oder Urologie, gegebenenfalls ergänzend ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und/oder Psychiatrie“. Erst in der Spezialdiagnostik wird ein „spezialisierter Facharzt gegebenenfalls auch an einem Kontinenz- und Beckenbodenzentrum“ gefordert. Am Ende der Liste kommen dann „gegebenenfalls Endoanalsonographie und gegebenenfalls dynamische Kernspindefäkographie“.

Eine differenzierte Betrachtungsweise der Becken- und Beckenbodendysfunktion wird schon längst bundesweit in vielen Praxen und Kliniken (gynäkologisch, urologisch und proktologisch), nicht nur in Kontinenz- und Beckenbodenzentren, gelebt. Nur durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fächer inklusive der Proktologie/Chirurgie können alle Aspekte der Diagnostik und Therapie der Beckenbodendysfunktion in der heute geforderten Qualität Berücksichtigung finden.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0011a

Dr. med. Johannes Jongen

Prof. Dr. med. Volker Kahlke

Proktologische Praxis Kiel, Abteilung Proktologische Chirurgie, Park-Klinik, Kiel

info@proktologie-kiel.de

Prof. Dr. med. Hendrik Schimmelpenning

Klinik für Chirurgie, Fachzentrum Viszeralchirurgie,
Koloproktologie, Gefäß- & Unfallchirurgie,
Schön Klinik Neustadt

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Jundt K, Peschers U, Kentenich H: The investigation and treatment of female pelvic floor dysfunction. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 564–74 VOLLTEXT
1.Jundt K, Peschers U, Kentenich H: The investigation and treatment of female pelvic floor dysfunction. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 564–74 VOLLTEXT

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Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

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