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Das Bundesgesundheitsministerium hat einen Referentenentwurf zur Änderung (das heißt auch Erleichterung) der Verschreibungsfähigkeit von Cannabisprodukten vorgelegt. Das wurde Zeit. Die deutliche Kritik aus der Ärzteschaft daran ist so nicht nachvollziehbar, sie wirkt halbherzig und fantasielos. Es geht um Hilfe für schwerkranke Menschen, nicht um Verharmlosung des Drogenproblems. Die Frage nach der exakten Dosierung ist an den Haaren herbeigezogen, auch in anderen Fällen kennen wir das „Einschleichen“ bis zum therapeutischen Optimum. Die Gefahr der Überdosierung ist geringer als bei vielen Medikamenten. Die fehlende Evidenz kann und muss noch geschaffen werden, aber hier nicht als Vorbedingung. Woher sollte sie denn schon kommen? Der Hinweis, ein Joint sei mit den gesundheitlichen Gefahren des Tabakrauchens verbunden, ist so zutreffend wie lächerlich: Wer würde zum Beispiel einem an Bronchialkrebs erkrankten Patienten die letzten Zigaretten wegnehmen? Wäre das ärztlich, wem damit geholfen?

Zweifler sollten den zeitgleich mit dem im DÄ erschienenen Artikel im SPIEGEL Nr. 8 vom 20. Februar 2016 lesen: Kofi Annan, der frühere UN-Generalsekretär, setzt sich vehement für eine neue Drogenpolitik ein: Drogen sind gefährlich, aber noch gefährlicher ist die globale Drogenpolitik. Das geht auch uns deutsche Ärzte an in der Verpflichtung zur Hilfe für unsere Patienten, und sei es auch am Rande der zurzeit noch herrschenden Legalität. Zugegeben: Darüber muss mit klarem Kopf diskutiert werden, nicht hasch-vernebelt, und auch nicht im Alkoholrausch. Letzterer wäre aber gesellschaftlich akzeptiert.

Dr. med. Leo Voss, 48683 Ahaus

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