ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2016Schlaganfallprävention: Potenziale noch ungenutzt

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Schlaganfallprävention: Potenziale noch ungenutzt

Richter-Kuhlmann, Eva

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Eine Aufklärung von Patienten und Ärzten zu Diagnostik und Therapie von Vorhofflimmern sowie über den Zusammenhang von Vorhofflimmern und Schlaganfall forderten Experten auf der Fachtagung „Versorgungssituation der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern“ des IGES-Instituts am 11. März in Berlin. Betroffene Patienten hätten ein bis zu fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko, das medikamentös nachweislich gesenkt werden könne. Die Experten wiesen gleichzeitig auf Unsicherheiten bei der Verwendung von herkömmlichen und neuen oralen Antikoagulanzien hin, die offensichtlich sowohl auf Patienten- als auch auf Ärzteseite bestehen würden.

Wichtig sei es, Strategien für ein frühzeitiges Erkennen von Vorhofflimmern zu entwickeln und die Patientengruppen mit einem hohen Risiko für einen Schlaganfall zu identifizieren, betonte Prof. Dr. med. Michael Näbauer, Vorstandsmitglied im Kompetenznetzwerk Vorhofflimmern. Allerdings sei die Kosten-/Nutzenrelation von Screeningmaßnahmen auf Populationsebene fraglich, auch wenn der Nutzen eines frühzeitigen Erkennens für den individuellen Patienten offensichtlich sei.

Versorgungsdefizite bezüglich der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern zeigt ein 2015 vom IGES-Institut veröffentlichtes Weißbuch: Konkret bestünden sowohl Über-, Unter- als auch Fehlversorgungen mit oralen Antikoagulanzien, wie Vitamin-K-Antagonisten und direkten Inhibitoren von Gerinnungsfaktoren, sagte Hans-Holger Bleß vom IGES-Institut.

Ein Grund für den suboptimalen Einsatz von Medikamenten sei die Angst der Patienten vor Blutungen, die oftmals bedrohlicher erlebt würden als das Schlaganfallrisiko, erläuterte Näbauer. Die Sicherheit der Antikoagulation sei entscheidend für die Akzeptanz. ER

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