ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2016Fallpauschalen: Chirurgen beklagen Zeitmangel im Krankenhaus

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Fallpauschalen: Chirurgen beklagen Zeitmangel im Krankenhaus

Dtsch Arztebl 2016; 113(13): A-586 / B-494 / C-490

Hillienhof, Arne

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Ärzte im Krankenhaus stehen unter einem immensen Zeitdruck, der das Arzt-Patienten-Verhältnis beschädigen kann. Das kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). „Wir brauchen wieder mehr Zeit für das Gespräch mit den Patienten“, fordert die Präsidentin der Fachgesellschaft, Prof. Dr. med. Gabriele Schackert. Wenn Kran­ken­haus­struk­tu­ren vor allem darauf ausgelegt seien, größtmögliche Erlöse zu erzielen, führe das häufig zu einem Vertrauens- und Informationsverlust.

Unter Zeitdruck: Für Gespräche mit Patienten bleibt den Chirurgen oftmals keine Zeit. Foto: mauritius images
Unter Zeitdruck: Für Gespräche mit Patienten bleibt den Chirurgen oftmals keine Zeit. Foto: mauritius images

Verantwortlich für die negative Entwicklung ist laut der DGCH die Klinikvergütung über die Fallpauschalen. „Es gilt, den maximalen Erlös zu erzielen – je mehr und je schwieriger die Fälle bei mittlerer Verweildauer sind, desto besser“, berichtet Schackert. Die Zeit, die man mit den Patienten verbringe, schlage sich hingegen nicht in der Vergütung nieder. Zuwendung werde damit zur „entbehrlichen Ressource“, so die Chirurgin.

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Zeitknappheit sei auch eine der Ursachen, weshalb in verschiedenen Fachgebieten die Operationszahlen anstiegen. „Viele Eingriffe würden entfallen, wenn wir die Zeit hätten, im Gespräch den Willen des Patienten kennenzulernen und die richtige, individuelle Indikation zu stellen“, meint die Neurochirurgin. Dieser Zeitaufwand sei ebenso wichtig wie die Operation mit gutem Behandlungsergebnis und müsse in der Vergütung berücksichtigt werden. Die Fachgesellschaft fordert, sich auf Empathie und Verantwortung und das eigentliche Arzt-Patienten-Verhältnis zu besinnen. hil

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