ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2016Digitalisierung des Gesundheitswesens: E-Health-Initiative Hessen

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Digitalisierung des Gesundheitswesens: E-Health-Initiative Hessen

Dtsch Arztebl 2016; 113(13): A-618 / B-522 / C-518

Krüger-Brand, Heike E.

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Das Bundesland will sich zum führenden Innovationszentrum der Gesundheitswirtschaft entwickeln und hat dafür ein Strategiepapier vorgelegt.

Gesundheit zählt neben Industrie, Handel, Kultur, Mobilität, Energie und Wohnen zu den digitalen Schwerpunktthemen in Hessen.
Gesundheit zählt neben Industrie, Handel, Kultur, Mobilität, Energie und Wohnen zu den digitalen Schwerpunktthemen in Hessen.

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat in seiner Regierungserklärung am 8. März den digitalen Technologien einen hohen Stellenwert für die Zukunft des Bundeslandes eingeräumt. „Die Digitalisierung ist dabei, unsere Wirtschaft umzugestalten, und sie wird auch unser übriges Leben tiefgreifend verändern“, sagte der Minister vor dem hessischen Landtag. Dies berge enorme Chancen. Digitalisierung sei aber kein Selbstzweck. „Sie muss dem Menschen dienen, seiner Würde, seiner Lebensqualität“, betonte Al-Wazir.

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Zu den zentralen sieben Anwendungsbereichen der digitalen Strategie zählt auch das Thema Gesundheit. „Ohne Telemedizin und E-
Health wird eine bezahlbare und gute regionale Versorgung kaum noch möglich sein“, betonte Al-Wazir mit Blick auf den demografischen Wandel. „Schon heute gibt es regelmäßige Online-Konferenzen zwischen Ärzten der Frankfurter Nordwest-Klinik und ihren Kollegen in Brunei. Patienten mit Schlaganfällen, Parkinson, MS oder anderen neurologischen Erkrankungen konnten dort bislang nicht behandelt werden. Weil die Spezialisten dort fehlen. Telemedizin macht das nun möglich. Was mit Brunei über 12 000 Kilometer funktioniert, das muss auch im Vogelsberg oder im Werra-Meißner-Kreis funktionieren.“

Bundesrecht weiterentwickeln

Hessen soll sich „zu einem führenden Innovationsstandort für Telemedizin, E-Health und Mobile Health mit internationaler Sichtbarkeit weiterentwickeln“, heißt es in der Publikation der Landesregierung „Strategie Digitales Hessen“ (siehe dazu auch www.digitalstrategie-hessen.de).

Zu den Maßnahmen auf dem Weg dorthin plant das Bundesland eine „E-Health-Initiative Hessen“, durch die die föderale Zusammenarbeit gestärkt werden soll. So werden das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung damit beauftragt, Eckpunkte für eine Weiterentwicklung des Bundesrechts zur Nutzung von E-Health-Anwendungen abzustimmen und neue elektronische Verfahren für eine bundesrechtliche Standardisierung, vor allem für das Krankenhaus-Entlassmanagement, vorzubereiten.

Darüber hinaus soll ein landeseigenes Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health aufgebaut werden, das unter anderem erfolgreiche Modelle und Projekte bekannt macht und ausbaut und als Schnittstelle zu regionalen Akteuren und Einrichtungen in Hessen fungiert. Ähnliche Einrichtungen arbeiten bereits erfolgreich etwa auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Die Landesregierung hat zudem neun Modellregionen ausgewählt, in denen innovative Lösungen für die Versorgung chronisch kranker und älterer Menschen erprobt werden sollen. Dabei geht es ausdrücklich auch um ein verstärktes interdisziplinäres Zusammenarbeiten von Gesundheits- und Pflegeberufen. Nachhaltige intra- und intersektorale Forschungs- und Pilotprojekte in Telemedizin und E-Health, die die Gesundheitsversorgung verbessern, sollen gefördert werden. Als ein Beispiel für solche Lösungen wird der webbasierte interdisziplinäre Versorgungsnachweis (IVENA) aufgeführt, über den bereits im Rettungswagen in Echtzeit Informationen über die vorhandenen Kapazitäten in den Krankenhäusern abrufbar sind. Weitere Beispiele für Innovationen sind dem Papier zufolge etwa eine mobile Applikation zur Therapieoptimierung von Hämophiliepatienten und die Online-Variante der Kasseler Stottertherapie.

Mobile Anwendungen

Ein besonderes Potenzial für eine hochwertige patientennahe Gesundheitsversorgung sieht die Landesregierung zudem in mobilen Informations- und Kommunikationstechnologien, die durch die Nutzung von Smartphones, Tablets und Wearables zunehmend in den Alltag vordringen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hat das hessische Wirtschaftsministerium gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern einen jährlichen (überregionalen) Kongress initiiert, das Mobile Health Forum (www.mobilehealthforum.eu).

Als erste Voraussetzung für die Anwendung digitaler Technologien nannte der hessische Wirtschaftsminister den flächendeckenden Ausbau von Breitbandverbindungen. Die Aufwendungen des Landes dafür bezifferte er auf über eine halbe Milliarde Euro.

Heike E. Krüger-Brand

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