ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2016Frage der Woche an . . . Prof. Helmut Wachowiak von der Internationalen Hochschule Bad Honnef-Bonn (IUBH)

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Helmut Wachowiak von der Internationalen Hochschule Bad Honnef-Bonn (IUBH)

In einer Studie haben Sie herausgefunden, dass die Bereitschaft der Deutschen gestiegen ist, für medizinische Behandlungen ins Ausland zu reisen. Was sind die Gründe dafür und um welche Behandlungen geht es konkret?

Glöser, Sabine

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In einer Studie haben Sie herausgefunden, dass die Bereitschaft der Deutschen gestiegen ist, für medizinische Behandlungen ins Ausland zu reisen. Was sind die Gründe dafür und um welche Behandlungen geht es konkret?

Wachowiak: Unser aktueller „IUBH Touristik-Radar“ zum Medizintourismus zeigt: Arztbesuche im Ausland werden immer attraktiver. Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) kann sich vorstellen, sich im Ausland medizinisch behandeln zu lassen. Hauptgrund sind die günstigeren Kosten (53 Prozent). Zudem gibt mehr als ein Viertel der Befragten als Grund an, dass sich durch eine Auslandsreise die Wartezeiten für medizinische Behandlungen verkürzen ließen. Diese Ergebnisse spiegeln meiner Ansicht nach deutlich die aktuelle Kritik am Gesundheitssystem in Deutschland wider.

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Besonders deutlich zeigt sich auch: Die Möglichkeit, den Arztbesuch mit einer Urlaubsreise zu verbinden, ist für immer mehr Deutsche verlockend. Knapp ein Drittel (31 Prozent) der Befragten gibt dies als Grund für eine medizinische Behandlung im Ausland an. Im Jahr 2012, als wir diese Untersuchung zum ersten Mal durchgeführt hatten, waren es erst 26 Prozent. Vor allem für die Generation 55 plus ist es offenbar attraktiv, eine medizinische Behandlung mit einer Urlaubsreise zu kombinieren (36 Prozent).

Reha- und Kur-Aufenthalte im Ausland haben bei den Deutschen eine lange Tradition. Insofern verwundert es nicht, dass diese mit 36 Prozent an erster Stelle der beliebtesten Auslandsbehandlungen stehen. Es folgen Zahnbehandlungen (30 Prozent) und Augenbehandlungen (14 Prozent). Dabei finden letztere bei den Männern eine etwas höhere Akzeptanz. 35 Prozent würden im Ausland den Zahnarzt aufsuchen, 17 Prozent den Augenarzt. Bei den Frauen betragen die Werte dagegen 27 Prozent für Zahn- und 11 Prozent für Augenbehandlungen.

Insgesamt sind Männer den Auslandsbehandlungen etwas stärker zugeneigt: 59 Prozent können sich vorstellen, medizinische Behandlungen im Ausland durchführen zu lassen, während sich fast die Hälfte der Frauen (48 Prozent) dagegen ausspricht.

Deutschland ist weltweit auf Platz zwei der beliebtesten Reiseziele für Medizintouristen. Unser „IUBH Touristik-Radar“ zum Medizintourismus zeigt, wohin die Deutschen selbst gern reisen würden, um sich medizinisch behandeln zu lassen: Westeuropa ist dabei das beliebteste Ziel der potenziellen Medizintouristen (37 Prozent), gefolgt von Osteuropa (33 Prozent) und Nordamerika (22 Prozent). sg

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