ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2016Eisenmangel: Screening ohne Blutentnahme

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Eisenmangel: Screening ohne Blutentnahme

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Forscher des Klinikums der Universität München (LMU) haben eine nichtinvasive Screeningmethode auf Eisenmangel entwickelt. Dafür wird eine flexible Lichtleitfaser sanft auf die Unterlippe aufgesetzt. Blaues Licht regt Fluoreszenz eines in Spuren vorkommenden Moleküls in den roten Blutkörperchen in der Unterlippe an. Diese Fluoreszenz ist ein Maß für Eisenmangel.

Die Messprozedur mit einer flexiblen Lichtleifaser, die auf der Unterlippe aufgesetzt wird, dauert weniger als zwei Minuten. Foto: Klinikum der Universität München
Die Messprozedur mit einer flexiblen Lichtleifaser, die auf der Unterlippe aufgesetzt wird, dauert weniger als zwei Minuten. Foto: Klinikum der Universität München

Eisenmangel ist eine weit verbreitete Mangelerscheinung, die zu Anämie führen kann. In Europa leiden mehr als fünf Prozent der Bevölkerung – meist unerkannt – an Eisenmangel. Dabei können besonders bei Kleinkindern die Folgen gravierend sein: Eisenmangel kann zu einer irreversibel verzögerten Gehirnentwicklung führen. Eine weitere Risikogruppe sind Schwangere. „Etwa die Hälfte aller Schwangeren, die bei uns im Perinatalzentrum Großhadern entbinden, ist von Eisenmangel betroffen. Eisenmangel erhöht das Frühgeburtsrisiko messbar“, erläuterte Prof. Dr. med. Uwe Hasbargen, Leiter des Perinatalzentrums am Klinikum der LMU.

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Bisher benötigten alle Methoden, die auf Eisenmangel screenen, eine Blutentnahme und eine Laboruntersuchung, so dass sich ein systematisches Screening nicht durchsetzen konnte. Mitarbeitern des Laserforschungslabors im LIFE-Zentrum am Klinikum der LMU ist es gemeinsam mit Forschern aus dem Institut für Laboratoriumsmedizin und dem Perinatalzentrum der gleichnamigen Einrichtung sowie von der Columbia University (New York) erstmals gelungen, mittels einer fluoreszenzspektroskopischen Untersuchung an der Unterlippe einen Marker für Eisenmangel, Zink-Protoporphyrin, ohne Blutentnahme quantitativ nachzuweisen und in einer klinischen Studie an Frauen nach der Geburt zu evaluieren.*

Die Zink-Protoporphyrin-Fluoreszenz ist im Gewebe etwa 100-fach schwächer als der Fluoreszenzuntergrund von anderen Gewebebestandteilen. Außerdem sind die Gewebezusammensetzung und andere Einflüsse wie etwa die Epitheldicke unbekannt. Die Forscher haben mehrere Techniken entwickelt, die die Probleme bei der nichtinvasiven Messung betreffen. So wird durch Anregung mit zwei Wellenlängen ein Großteil des Fluoreszenzuntergrundes eliminiert. Mit einem Computeralgorithmus wird dann die Zink-Protoporphyrin-Fluoreszenz bestimmt. Für die Messung geeignete Stellen auf der Unterlippe werden durch das System über eine validierte Methode identifiziert und dem Untersucher angezeigt. Danach wird die fluoreszenzspektroskopische Messung mit den zwei Anregungswellenlängen gestartet. EB

*Hennig G, Homann C, Teksan I, Hasbargen U, Hasmüller S, Holdt LM, et al.: Non-invasive detection of iron deficiency by fluorescence measu-rement of erythrocyte zinc protoporphyrin in the lip. DOI: 10.1038/NCOMMS10776,
www.nature.com/naturecommunications

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