ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Arteriosklerose: Die Erfolgsgeschichte
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Haverich und Kreipe stellen in ihrem interessanten Artikel die These auf, dass wir trotz über 150 Jahren Forschung die „Ursache“ der KHK nicht kennen und deshalb auch keine gezielte Prävention betreiben können. Das sollte so nicht stehen bleiben, denn die Erfolgsgeschichte der Bekämpfung der Herz-Kreislauf-Krankheiten (HKK) zeigt sehr deutlich, dass wenige wichtige Risikofaktoren wie Rauchen, Hypertonie, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, mangelnde körperliche Aktivität, bestimmte Ernährungsmuster und Übergewicht sehr eng mit dem Auftreten von HKK zusammenhängen und dass die Senkung der genannten Risikofaktoren auch zur Verminderung der HKK führt. Aktuelle Daten von Ezzati und Riboli zeigen, dass das „Drehen an nur wenigen Schrauben auf Bevölkerungsebene und auf individueller Ebene“ zu einem starken Rückgang der Mortalität an HKK führt. Zum Beispiel war Finnland 1970 das Land mit der höchsten Mortalität an HKK in der Welt; 30 Jahre später hatte die Mortalität an HKK um fast 80 Prozent abgenommen. Was war geschehen? Mit landesweiten Präventionsprogrammen wurden Risikofaktoren besser kontrolliert und die Ernährung verbessert; auch Fortschritte bei der klinischen Versorgung der Bevölkerung trugen zu diesem grandiosen Erfolg bei.

Claude Lenfant, National Heart Lung and Blood Institute (USA), hat schon 2003 dafür plädiert, dass wir in Medizin und Public Health anwenden sollen, was wir schon wissen; denn schon damals wussten wir sehr viel über die Prävention und Behandlung der KHK.

In Deutschland reden wir beim Konzept Ursache (Kausalität) oft aneinander vorbei. Die Angelsachsen unterscheiden da besser zwischen „causal factor(s)“ und „mechanisms“. Für die Prävention sind die kausalen Faktoren, hier also die genannten Risikofaktoren entscheidend. Was ist, wenn zur Aufdeckung „der Ursache der KHK“ weitere Jahrhunderte vergehen? Was ist, wenn wir im Sinne der Autoren die „Ursache“ von Lungenkrebs nicht kennen? Sollen wir dann auf die Tabakrauchprävention verzichten?

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Literatur bei den Verfassern
Prof. Dr. med. Ulrich Keil, Institut für Epidemiologie und
Sozialmedizin, Universität Münster, 48149 Münster
Dr. med. Angela Spelsberg, Tumorzentrum Aachen e.V., 52074 Aachen

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