ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Geriatrie: „AltersTraumaRegister“ gestartet

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Geriatrie: „AltersTraumaRegister“ gestartet

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Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) hat das AltersTraumaRegister DGU® (ATR-DGU) nach erfolgreicher Pilotphase in den Regelbetrieb genommen. Das Register erfasst Daten aus der Versorgung geriatrischer Patienten nach einer hüftgelenksnahen Oberschenkelfraktur wie beispielsweise einem Oberschenkelhalsbruch. Die Teilnahme am ATR-DGU ist für die „AltersTraumaZentren“ der DGU verpflichtend. „Altersbrüche nehmen stark zu“, erläuterte DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann. Mit dem Register sei es künftig möglich, die Behandlungsergebnisse der unfallchirurgischen Versorgung älterer Menschen zu messen und zu verbessern.

Altersbrüche nehmen stark zu: Mit dem Traumaregister sollen die Behandlungsergebnisse der unfallchirurgischen Versorgung älterer Menschen verbessert werden. Foto: dpa
Altersbrüche nehmen stark zu: Mit dem Traumaregister sollen die Behandlungsergebnisse der unfallchirurgischen Versorgung älterer Menschen verbessert werden. Foto: dpa

Das Register sammelt qualitätsrelevante Daten aus der Versorgung auf Basis eines international abgestimmten Datensatzes. Dieser wurde von Experten der DGU in Zusammenarbeit mit dem „Fragility Fracture Network“ entwickelt und greift Erfahrungen mit der britischen „National Hip Fracture Database“ und dem „Australian and New Zealand Hip Fracture Registry“ auf. Damit nutzen die deutschen Unfallchirurgen einen vergleichbaren Datensatz zu dem der Ärzte aus England oder Australien. Erstmalig wird so der Vergleich mit internationalen Behandlungsergebnissen im Sinne eines Benchmarks möglich.

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Die aus dem Register gewonnenen Daten werden zudem für Qualitätsberichte verwendet und geben Antworten auf wissenschaftliche Fragen zur Fehlervermeidung, Erhöhung der Patientensicherheit und Verbesserung des Behandlungsergebnisses.

In Deutschland gibt es jährlich 720 000 Knochenbrüche bei Menschen mit altersbedingter Osteoporose. Pro Jahr erleiden mehr als 140 000 Patienten über 65 Jahren einen Oberschenkelbruch – er gehört damit zu den zehn häufigsten Diagnosen in den Krankenhäusern. Bedingt durch den demografischen Wandel rechnen die Unfallchirurgen bis zum Jahr 2030 mit einer Verdopplung bis Verdreifachung von altersbedingten Knochenbrüchen in der Akutversorgung.

Das ist nicht nur mit erheblichen Kosten für das Gesundheitswesen verbunden, sondern stellt auch für die Gestürzten und die Ärzte eine große Herausforderung dar. Denn die meisten der Hochbetagten sind schwer krank und leiden unter zahlreichen altersspezifischen Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herzschwäche mit entsprechender Medikation.

Um ältere Menschen nach einem Unfall optimal zu behandeln, hat die DGU Richtlinien erarbeitet und 2014 im Kriterienkatalog „AltersTraumaZentrum DGU®“ veröffentlicht. Die Basis ist ein multiprofessioneller Ansatz, der sicherstellt, dass der Verletzte durch ein Team aus Unfallchirurgen und Geriatern betreut wird. Damit ist es möglich, die Patienten besser zu versorgen und Probleme im Heilungsverlauf zu vermeiden, so dass sie ihre Mobilität möglichst zügig und dauerhaft wiedererlangen können. Ziel ist es, die schlechte Prognose nach einem Sturz im hohen Alter zu verbessern.

Inzwischen gibt es bundesweit 30 zertifizierte Zentren der DGU, bei denen die Frakturversorgung nach abgestimmten altersspezifischen Behandlungsprozessen verläuft. Mehr als 130 Unfallkliniken haben die Zertifizierung bereits beantragt. Informationen: www.dgu-online.de und www.alterstraumazentrum-dgu.de EB

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