ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1999Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: Aus der UAW-Datenbank der AkdÄ

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: Aus der UAW-Datenbank der AkdÄ

Dtsch Arztebl 1999; 96(22): A-1514 / B-1187 / C-1080

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LNSLNS Kardiovaskuläre Störungen unter Therapie mit Clozapin

Zu den Aufgaben der AkdÄ gehören die Erfassung, Dokumentation und Bewertung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Die AkdÄ möchte Sie regelmäßig über aktuelle Themen aus der Arbeit des UAW-Ausschusses informieren und hofft, Ihnen damit wertvolle Hinweise für den Praxisalltag geben zu können.
Im Zusammenhang mit dem Neuroleptikum Clozapin sind als unerwünschte Arzneimittelwirkungen vor allem ätiopathogenetisch ungeklärte Agranulozytosen mit einer Inzidenz von einem Prozent bekanntgeworden. Clozapin unterliegt daher besonderen Abgabebestimmungen, die eine kontrollierte Anwendung mit regelmäßigen Blutbildkontrollen gewährleistet.
Weniger bekannt, aber ebenfalls klinisch relevant, sind Störungen des kardiovaskulären Systems, die unter Medikation mit Clozapin auftreten können.
Insbesondere Sinustachykardien, verschiedenste Herzrhythmusstörungen, orthostatische Hypotension, EKGVeränderungen etwa der ST-Strecke kommen vor, aber auch einige Fälle von Kardiomyopathie oder Myokardinfarkt wurden bereits gemeldet.
Im System Phoenix® der AkdÄ sind derzeit über 2 000 Meldungen zu unerwünschten Wirkungen unter Therapie mit Clozapin verzeichnet. Hiervon betreffen etwa 400 das kardiovaskuläre System.
In den Fachinformationen der Hersteller wird darauf hingewiesen, daß kardiovaskuläre Störungen wie Hypotonie und Tachykardie besonders häufig während der ersten Wochen beziehungsweise bei schneller Dosissteigerung auftreten. Bei Erstanwendung ist es empfehlenswert, die Kreislauffunktion zu kontrollieren. Bei Auftreten eines kritischen Blutdruckabfalls (zum Beispiel nach Einnahme einer höheren Clozapindosis) sollte Dopamin, kein Adrenalin, verwendet werden.
Aber auch nach längerer Therapie mit Clozapin sollte bei auftretenden unspezifischen Herzbeschwerden immer an die Möglichkeit einer Myokarditis gedacht werden.
Einige Autoren berichteten in der Vergangenheit, daß kardiovaskuläre Effekte möglicherweise durch die gleichzeitige Gabe von Propafenon beziehungsweise durch einen Beta-Rezeptorenblocker verhindert werden können (1, 2).
Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß kardiovaskuläre Störungen unter einer Therapie mit Clozapin neben Agranulozytosen zu den schwerwiegensten unerwünschten Wirkungen dieser Substanz zählen.
Die AkdÄ ist weiterhin an Meldungen über unerwünschte Wirkungen nach Gabe von Clozapin interessiert. Der UAW-Berichtsbogen wird in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt abgedruckt. Außerdem können Sie ihn aus dem AID-Faxdienst der AkdÄ unter der Nummer 01 90-3 61 64-5 02 (PMS, 1,21 DM/Min.) abrufen.


Literatur
1. Liebermann JA: Maximizing clozapine therapy: Managing side effects, J Clin Psychiatry 1998; 59 (Suppl. 3): 38-43.
2. Low RA, Fuller MA, Popli A: Clozapine induced atrial fibrillation, letter to editor, J Clin Psychopharmacol 1998; 18: 170.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233-237, 50931 Köln, Tel 02 21/40 04-5 18, Fax -5 39, E-Mail: akdae@t-online.de

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