ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Typ-2-Diabetes: Empagliflozin senkt die kardiovaskuläre Sterblichkeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes: Empagliflozin senkt die kardiovaskuläre Sterblichkeit

Eckert, Nadine

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Typ-2-Diabetes ist ein bedeutender Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) und kardiovaskulären Tod. Ob die Senkung des Blutzuckerspiegels die CVD- und Mortalitätsraten bei Typ-2-Diabetes reduziert, war Fragestellung der EMPA-REG-Outcome-Studie mit dem Antidiabetikum Empagliflozin, einem SGLT2-Inhibitor.

Typ-2-Diabetiker mit hohem CVD-Risiko (Herzinfarkt, Koronarerkrankung, instabile Angina pectoris, Schlaganfall, pAVK in der Anamnese) erhielten zusätzlich zur Standardtherapie randomisiert entweder Empagliflozin (10 oder 25 mg täglich) oder Placebo. Die meisten Patienten waren seit mehr als 10 Jahren an Diabetes erkrankt, erhielten eine blutzuckersenkende Therapie und nahmen Antihypertensiva und Lipidsenker. 7 020 Patienten wurden behandelt, median 3,1 Jahre nachbeobachtet und in die Primäranalyse eingeschlossen. Bei 490 von 4 687 Patienten (10,5 %) in der Empagliflozin-Gruppe (beide Dosierungen gepoolt) kam es zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod. In der Placebogruppe trat dieser primäre Endpunkt bei 282 von 2 333 Patienten (12,1 %) ein (Hazard Ratio [HR] in der Empagliflozin-Gruppe: 0,86; 95,02-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,74–0,99; p = 0,04 für Überlegenheit). Bei nichttödlichen Herzinfarkten (4,8 vs. 5,4 %) und Schlaganfällen (3,5 vs. 3,0 %) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Empagliflozin und Placebo.

Rate tödlicher und nichttödlicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Diabetikern
Grafik
Rate tödlicher und nichttödlicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Diabetikern

Demgegenüber wurde die kardiovaskuläre Mortalität von 5,9 auf 3,7 % (relative Risikoreduktion [RR]: 38 %) und die Gesamtmortalität von 8,3 auf 5,7 % (RR: 32 %) gesenkt. Die Nebenwirkungsraten unterschieden sich nicht, mit Ausnahme von Genitalinfektionen: Sie traten in der Empagliflozin-Gruppe deutlich häufiger auf als unter Placebo (6,4 vs. 1,8 %).

Fazit: Empagliflozin reduziert bei kardiovaskulären Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes Sterblichkeit und Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz erheblich. „Das macht die Anwendung bei dieser Patientengruppe fast obligatorisch“, kommentiert der Diabetologe Prof. Dr. med. Michael A. Nauck von der Ruhr-Universität Bochum die Ergebnisse. „Die Wirkung setzt bereits nach 3–6 Monaten ein und ist deshalb eher nicht Folge der verbesserten Glukosekontrolle, die sich deutlich später positiv auswirkt. Die Erklärung liegt wohl eher in der osmotischen Diurese durch SGLT2-Hemmung. Der Einsatz von Empagliflozin und anderen SGLT2-Hemmern wird jetzt sicher steigen. Bevor es aber als generell bevorzugtes glukosesenkendes Medikament nach Metformin-Versagen in Leitlinien empfohlen werden kann, müssen ähnliche Nutzen-Risiko-Relationen für Patienten mit durchschnittlichem kardiovaskulären Risiko nachgewiesen werden.“ Nadine Eckert

Zinman B, et al.: Empagliflozin, cardiovascular outcomes, and mortality in Type 2 Diabetes.
N Engl J Med 2015; 373: 2117–28.

Rate tödlicher und nichttödlicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Diabetikern
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Rate tödlicher und nichttödlicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Diabetikern

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