ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Frage der Woche an . . . Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen

Viele Bremer Ärzte engagieren sich für Ärzte, die als Flüchtlinge nach Bremen kommen. Welche Projekte haben Sie gestartet?

Glöser, Sabine

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Viele Bremer Ärzte engagieren sich für Ärzte, die als Flüchtlinge nach Bremen kommen. Welche Projekte haben Sie gestartet?

Gitter: Das Land Bremen hat vergangenes Jahr 10 000 Menschen aufgenommen, die vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat fliehen mussten. Nach Schätzungen der Bremer Sozialbehörde werden 2016 mindestens noch einmal so viele dazukommen. Bremen steht damit vor großen Herausforderungen, die auch dank des ehrenamtlichen Engagements der Bürger gut bewältigt werden.

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Die Bremer Ärzte helfen auf vielfältige Weise. Bei einer Impfaktion von Ärztekammer und Gesundheitsamt haben rund 200 Ärzte und andere Freiwillige ehrenamtlich in 50 Impfteams in Notunterkünften und Übergangswohnheimen gearbeitet und 4 000 Menschen gegen Masern, Mumps, Röteln und die saisonale Grippe geimpft – schnell und unbürokratisch. Großes Engagement zeigten unsere Ärzte auch in einer Kaserne, die als Notunterkunft dient: Die Ärzte der benachbarten Klinik hielten täglich eine kostenlose Sprechstunde ab und behandelten kleinere Beschwerden direkt vor Ort.

Vor allem wollen unsere Ärzte den nach Deutschland geflüchteten Kollegen den Start in Bremen so einfach wie möglich machen. 100 Ärzte meldeten sich auf unseren Aufruf, eine Patenschaft für einen Kollegen zu übernehmen. Sie wollen beim Erlernen der Sprache helfen und sie bei der Eingliederung in unsere Gesellschaft unterstützen, zum Beispiel durch Hospitationen bei erfahrenen Bremer Kollegen. Solche Hospitationen beschleunigen den Spracherwerb, trainieren in der deutschen Fachsprache und helfen den Kollegen, das deutsche Gesundheitswesen kennenzulernen.

Zunächst gab es einige rechtliche Hürden zu überwinden. Ausländische Ärzte dürfen ohne Berufserlaubnis oder Approbation nicht ärztlich tätig sein. Hospitationen scheiterten zunächst, weil unklar war, ob sie unter das Mindestlohngesetz fallen. Deshalb habe ich den Wirtschaftssenator um Klarstellung gebeten. Er bestätigte, dass Hospitationen kein Praktikum im Sinne des Mindestlohngesetzes sind, solange die Hospitanten nur „stehen und schauen“ und nicht aktiv im Klinikbetrieb oder ärztlichen Praxen mitwirken. Zudem sollte die Hospitation zeitlich befristet sein. Die Ärztekammer Bremen hat dazu einen Mustervertrag für ihre Mitglieder entwickelt.

Die Aktionen der Bremer Ärztinnen und Ärzte sind nicht einzigartig, sie stehen vielmehr exemplarisch dafür, wie Ärzte überall in Deutschland mit Fantasie und Engagement helfen und ein Zeichen gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen setzen. sg

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