ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Arzneimittelsicherheit der FluorChinolone: Erhöhtes Risiko für Aneurysma und Aortendissektion?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Arzneimittelsicherheit der FluorChinolone: Erhöhtes Risiko für Aneurysma und Aortendissektion?

Dtsch Arztebl 2016; 113(14): A-660 / B-557 / C-550

Heinzl, Susanne

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Fluorchinolone können den Abbau von Kollagen begünstigen. Ob eine Assoziation zwischen der Einnahme von Fluorchinolonen und der Entstehung von Aortenaneurysmen und -dissektionen besteht, wurde in einer Fall­kontroll­studie untersucht. 1 477 Fallpatienten wurden mit 147 700 gematchten Kontrollen verglichen. Alle Fälle waren wegen Aortenaneurysma oder -dissektion hospitalisiert worden. Als „aktuell“ war die Einnahme eines Fluorchinolons innerhalb der letzten 60 Tage vor dem Ereignis definiert, als Gebrauch in der Vergangenheit bei 61–365 Tagen vor dem Aneurysma.

Durch die aktuelle Einnahme von Fluorchinolonen erhöhte sich das Risiko für ein Aortenaneurysma oder eine Aortendissektion um das 2,43-Fache, bei Fluorchinolonanwendung in der Vergangenheit um den Faktor 1,48. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Aussagekraft der Ergebnisse vor dem Hintergrund der geringen Zahl an Aneurysmen und Dissektionen, die mit der Einnahme von Fluorchinolonen assoziiert waren, begrenzt sei. So könnten Fluorchinolone auch wegen eines infektiösen Aneurysmas oder eines zunächst als Perikarditis diagnostizierten Aneurysmas verordnet worden sein.

Fazit: Epidemiologisch ermittelte Assoziationen – in dieser Studie zwischen Aortenaneurysmen oder -dissektionen und Chinoloneinnahme – könnten keinen Kausalzusammenhang beschreiben, da es vielfältige Störmöglichkeiten gebe, erläuterte Prof. Dr. med. Ralf Stahlmann, Berlin. Solche Ergebnisse seien aber dann besonders interessant, wenn sie biologisch plausibel wären: „Die aktuell beschriebenen Veränderungen der Aorta werden mit Wirkungen der Chinolone auf Bindegewebsstrukturen in einen Zusammenhang gestellt, zum Beispiel auf Sehnen, bei denen Abrisse eindeutig durch Chinolone verursacht werden können.“ Diese Überlegungen seien allerdings sehr oberflächlich: „Sie berücksichtigen beispielsweise nicht die verschiedenen Kollagenarten in verschiedenen Geweben.“ Ähnlich unpräzise Argumentationen seien vorgebracht worden, um eine Assoziation zwischen Retinopathien und Chinolontherapie zu erklären. Sehnen und Knorpel seien bradytrophe, nichtvaskularisierte Gewebe. „Die Kollagenschichten in anderen Organen erhalten rascher und unmittelbarer Nährstoffe aus dem Blut“, so der Toxikologe. Es sei eher unwahrscheinlich, dass sich die nun beschriebenen Veränderungen an der Aorta in einer unabhängig durchgeführten Studie bestätigen. Stahlmann rät, weitere Untersuchungen abzuwarten.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Lee CC, Lee MG, Chen YS, et al.: Risk of aortic dissection and aortic aneurysm in patients tak-ing oral fluoroquinolone. JAMA Intern Med 2015; 175: 1839–47.

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