ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Strahlentherapie beim Mammakarzinom: Teilbrustbestrahlung mit Brachytherapie ist gute Option

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Strahlentherapie beim Mammakarzinom: Teilbrustbestrahlung mit Brachytherapie ist gute Option

Siegmund-Schultze, Nicola

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Brustkrebs ist das am häufigsten diagnostizierte Malignom bei Frauen. Die adjuvante Ganzbrustbestrahlung (WBRT) nach brusterhaltender Operation ist Standard. Die akzelerierte Teilbrustbestrahlung (APBI) ist eine seit längerem in verschiedenen Formen erprobte alternative Strategie, die die Behandlungszeit von 3–7 Wochen auf 1–5 Tage reduziert und die Strahlenexposition von Brust, Haut, Lunge, vor allem aber des Risikoorgans Herz, reduziert. In einer randomisierten Phase-3-Studie an 16 Kliniken Europas inklusive Deutschland (GEC-ESTRO) ist die interstitielle Multikatheter-Brachytherapie (MK-BRT) als Form der APBI auf Nichtunterlegenheit gegenüber der Ganzbrustbestrahlung geprüft worden.

Krankheitsfreies Überleben von Patientinnen mit Teil- und Ganzbrustbestrahlungen nach brusterhaltender Operation
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Krankheitsfreies Überleben von Patientinnen mit Teil- und Ganzbrustbestrahlungen nach brusterhaltender Operation

Daten von 1 184 Frauen mit invasivem Mammakarzinom niedrigen Risikos oder duktalem Carcinoma in situ (DCIS) kamen in die Endauswertung. Alle waren brusterhaltend operiert mit mikroskopisch klar erkennbaren Resektionsrändern von ≥ 2 mm in jeder Richtung, bei invasiven lobulären Karzinomen oder DCIS ≥ 5 mm. 90 % erhielten eine adjuvante systemische Behandlung, meist eine Antihormontherapie. 551 Patientinnen wurde nach der OP die ganze Brust perkutan bestrahlt in täglichen Fraktionen von 1,8–2,0 Gy über 5 Wochen (Gesamtdosis: 50,0–50,4 Gy) und einem sequenziellen Boost im Tumorbett von 5 × 2 Gy. 633 Patientinnen erhielten eine Brachytherapie: entweder als High-Dose-Rate (8 × 4 Gy oder 7 × 4,3 Gy an 4 Tagen) oder als Puls-Dose-Rate-Brachytherapie mit 0,6–0,8 Gy/h (1 Puls/h, 24 h/Tag; Gesamtdosis jeweils 50 Gy). Zielvolumen war das Tumorbett mit einem Sicherheitssaum von ≥ 20 mm. Primärer Endpunkt waren Lokalrezidive.

5 Jahre nach Studienbeginn betrug die kumulative Inzidenz für ein Lokalrezidiv 1,44 % in der APBI-Gruppe (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,51–2,38) und 0,92 % bei Ganzbrustbestrahlung (95-%-KI: 0,12– 1,73) ohne signifikante Differenz (p = 0,42). Es wurden keine unerwünschten Effekte Grad 4 beobachtet. Das 5-Jahres-Risiko für Grad-2/3-Nebenwirkungen betrug 3,2 % in der APBI-Gruppe und 5,7 % bei WBRT. Eine Fibrose Grad 3 hatten 0,2 % unter WBRT und keine Patientin bei APBI. Auch bei krankheitsfreiem und Gesamtüberleben gab es keine signifikanten Unterschiede.

Fazit: „Eine akzelerierte Teilbrustbestrahlung mit Multikatheter-Brachytherapie ist eine ernst zu nehmende Alternative bei Mammakarzinom mit niedrigem Risiko“, kommentiert Dr. med. David Krug, Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Universitätsklinik Heidelberg. „Ein neuer Standard wird damit aber wohl nicht definiert. Beachtet werden sollten das weitere Follow-up und die angekündigten Daten zu Kosmetik, Lebensqualität und Toxizität. Diese und andere randomisierte Studien belegen eindrucksvoll, dass sich die 5-Jahres-Lokalrezidivrate nach adjuvanter WBRT mit Boost bei entsprechender Patientenselektion im Bereich von < 2 % bewegt und damit die Messlatte für jede Änderung der klinischen Praxis hoch liegt.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Strnad V, Ott OJ, et al.: 5-year results of accelerated partial breast irradiation using sole interstitial multicatheter brachytherapy versus whole-breast irradiation with boost after breast-conserving surgery for low-risk invasive and in-situ carcinoma of the female breast: a randomised, phase 3, non-inferiority trial. Lancet 2016; 387: 229–38.

Krankheitsfreies Überleben von Patientinnen mit Teil- und Ganzbrustbestrahlungen nach brusterhaltender Operation
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Krankheitsfreies Überleben von Patientinnen mit Teil- und Ganzbrustbestrahlungen nach brusterhaltender Operation

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