ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Modefotografie: Die Idealisierung der Schönheit

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Modefotografie: Die Idealisierung der Schönheit

Traub, Ulli

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Er war einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts und eine Ikone der Modefotografie: Das NRW-Forum widmet Horst P. Horst eine Retrospektive

Schritt zur Farbe: Für das Titelbild der amerikanischen Vogue vom 1. Juli 1939 setzte Horst P. Horst das Model Muriel Maxwell in Szene. Foto: Condé Nast / Horst Estate
Schritt zur Farbe: Für das Titelbild der amerikanischen Vogue vom 1. Juli 1939 setzte Horst P. Horst das Model Muriel Maxwell in Szene. Foto: Condé Nast / Horst Estate

To make people look good.“ Das war das Credo von Horst P. Horst. Der Fotograf, der 1906 als Horst Paul Albert Bohrmann in Weißenfels an der Saale das Licht der Welt erblickte, legte 1943, nach seiner Einbürgerung in die USA, den nicht so klangvollen Nachnamen ab. Als Modefotograf war er da längst etabliert. In den 1930er-Jahren hatte die Fotografie die Zeichnungen aus den Modemagazinen verdrängt. Die Protagonisten dieser Entwicklung hießen, neben Horst, George Hoyningen-Huene, Mentor und zeitweiliger Lebenspartner von Horst, Adolphe de Meyer, Edward Steichen und Cecil Beaton.

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Die Retrospektive „Photographer of Style“ im Düsseldorfer NRW-Forum, kuratiert vom Victoria und Albert Museum in London, bietet mit rund 250 Arbeiten einen Überblick über Horsts 60 Jahre währendes Schaffen – auch jenseits der Mode. Im Mittelpunkt der Schau steht seine Arbeit in den 1930er-Jahren für Magazine, vor allem für die dieser Tage 100 Jahre alt gewordene „Vogue“. Für die Zeitschrift war er zunächst in Paris und später in New York tätig. Horst liebte dramatische Hell-Dunkel-Kontraste, das Spiel mit Licht und Schatten. Sein Ziel: die Idealisierung der Schönheit.

Vor allem mit Anleihen beim Schönheitsideal der Antike komponierte Horst seine stilbildenden Schwarzweiß-Fotos im Studio. Die Fotomodelle lehnen an Säulen-Attrappen oder verharren in Posen, die sie wie Statuen erscheinen lassen. Als lebende Skulpturen betrachtete der Fotograf seine Modelle. Die liegende „Odaliske“ erinnert dagegen an einen malerischen Topos aus dem 19. Jahrhundert.

Dabei war Horst durchaus an der Kunst seiner Zeit interessiert. Art Déco-Einflüsse sind unübersehbar. Von Salvador Dali ließ er sich Kulissen für Foto-Sets entwerfen und zu surrealen Stillleben inspirieren – etwa mit Vogelkäfig, Spiegel und Bücherstapel. Die Ausstellung zeigt Fotos von Marlene Dietrich und Rita Hayworth, Gary Cooper und Luchino Visconti, Coco Chanel und Elsa Schiaparelli. Sich von Horst porträtieren zu lassen, war seinerzeit das Gebot der Stunde.

Stets akkurat gescheitelt, mit Krawatte und meist rauchend agierte er am Set und fotografierte vor allem Abendgarderobe. Das berühmteste Foto ist ein Rückenakt, das Mainbocher Corset. Nicht aufdringliche Erotik, sondern zurückhaltende Eleganz zeichnet die makellose Komposition im Halbdunkel aus. Der Designer Main Bocher lobte: „Ihre Bilder sind perfekt.“

Die Düsseldorfer Ausstellung, einzige Station in Deutschland, dokumentiert mit zahlreichen „Vogue“-Titeln aus den 1930er- und 40er-Jahren, dass Horst den Schritt zur Farbe erfolgreich vollzog. Statt eines Reichs der Schatten inszenierte er nun prallbunte Modewelten. Das auf dem Rücken liegende Badeanzug-Model kann nicht nur einen roten Luftballon mit den Füßen balancieren, es liest auch noch dabei.

Reisefotografien (Israel und Persepolis), Naturaufnahmen im Stile Karl Blossfeldts und männliche Akte, die ein Robert Mapplethorpe gekannt haben muss, zeigen weniger bekannte Facetten des umfangreichen Werkes des Documenta-Teilnehmers (1977). Für das Magazin „House and Garden“ fotografierte Horst Interieurs in Luxusvillen von Karl Lagerfeld oder Cy Twombly. An seine frühen Erfolgsjahre konnte er indes nicht mehr anknüpfen. Über seine Vorstellung von Perfektion war die Zeit hinweggegangen. Mit der Fotografie schloss er jedoch erst wenige Jahre vor seinem Tod ab. Er konnte kaum noch sehen. Horst P. Horst starb 1999 in Florida. Sein Name findet sich heute in jedem Foto-Nachschlagewerk.

Die Ausstellung „Horst: Photographer of Style“ läuft noch bis zum 22. Mai im NRW-Forum Düsseldorf, www.nrw-forum.de.

Ulli Traub

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