ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2016Börsebius: The Last Shot of Super Mario

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Börsebius: The Last Shot of Super Mario

Dtsch Arztebl 2016; 113(14): A-674 / B-566 / C-558

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Wenn so ein verwöhnter Zweijähriger im Supermarkt alle 15 Meter eine Süßigkeit nach der anderen einsacken durfte, dann aber doch noch an der Kasse auf die Verweigerung eines Lollies dramatisch strampelnd reagiert, dann wissen gestresste Eltern, was die Stunde geschlagen hat: Verwöhnen auf der Strecke zahlt sich am Ende halt doch nicht aus.

Genauso reagierten Anfang März die Finanzmärkte, als ihnen Mario Draghi den letzten Bonbon präsentierte mit der ernsten Botschaft: „Das war jetzt aber wirklich die letzte Zinssenkung“. Die Ankündigung, die Leitzinsen auf null und nix zu setzen, führte zu einem gleichwohl hysterischen wie absolut entsetzlichen Absturz des deutschen Aktienindex DAX um mehrere Hundert Punkte binnen weniger Stunden. So sieht also der Liebesentzug enttäuschter (und verwöhnter) Märkte aus. Wie die kleinen Kinder eben.

Spaß beiseite, das Thema ist ja nicht nur ernst genug, sondern auch eine fulminante Bedrohung für die Zukunft des globalen Finanzsystems. Sagen zumindest etliche Kritiker des EZB-Chefs.

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Der billionenschwere Kauf von Staatsanleihen sei mehr oder weniger wirkungslos verpufft, habe letztlich die erwünschte Inflation nicht herbeigeführt (wohl wahr!), und die jüngste Zinssenkung auf null wäre quasi der letzte Schuss von Mario Draghi, danach könne ja nichts mehr kommen und überhaupt, wie sollen denn die Geschäftsmodelle von Banken letztlich funktionieren, wenn sie – wie beschlossen – Strafzinsen für geparkte Gelder zu bezahlen hätten.

Das alles wiegt wahrhaftig schwer. Doch ob Super Mario wirklich schon sein Pulver verschossen hat, muss sich erst noch erweisen. Immerhin hat die EZB jüngst ebenso beschlossen, hoch geratete (Triple-A) Unternehmensanleihen mit ins Bondkaufprogramm zu übernehmen. Zusätzlich. Ja, es ist wohl wahr, dass damit noch mehr Geld in die Märkte gepumpt wird und damit der Wahnsinn der Methode fulminant hinterhertrabt.

Und warum sollte die EZB die Strafzinsen nicht noch weiter erhöhen wollen und können? Aber dass es gerade auch deswegen keine Alternativen zu Aktien gibt, scheint mir ziemlich sicher zu sein. Also, Leute, widersteht der Panik. Sie ist so sehr von Übel.

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