ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2016Angehörige: Auch Nicht-Pflege kann depressiv machen

Referiert

Angehörige: Auch Nicht-Pflege kann depressiv machen

PP 15, Ausgabe April 2016, Seite 187

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Erwachsene, die ihre psychisch und/oder körperlich beeinträchtigten Eltern pflegen, sind hohen Belastungen ausgesetzt. Amerikanische Altersforscher haben jetzt untersucht, wie es um die psychische Gesundheit von Menschen steht, die ihre pflegebedürftigen Eltern nicht selbst pflegen. Sie befragten 28 751 Personen aus Bulgarien, Frankreich, Georgien, Rumänien und Russland, wie sehr sie sich durch die Beeinträchtigungen ihrer Eltern belastet fühlen. Anschließend verglichen sie das psychische Wohlbefinden von Personen, die ihre erkrankten Eltern pflegten, mit Personen, die ihre erkrankten Eltern nicht selbst pflegten, und solchen Personen, deren Eltern nicht pflegebedürftig waren. Es zeigte sich, dass Frauen generell eher ihre Angehörigen pflegten und auch häufiger depressive Symptome aufwiesen. „Aber auch solche Personen, die ihre erkrankten Eltern nicht pflegten, waren depressiver als Personen, deren Eltern nicht pflegebedürftig waren“, berichten die Wissenschaftler.

Wolf und Kollegen sind überzeugt, auf ein noch relativ unbeachtetes Phänomen, nämlich die erhöhte psychische Belastung nicht-pflegender Angehöriger, gestoßen zu sein. Während die hohe Belastung pflegender Angehöriger hinlänglich bekannt sei, müsse laut den Autoren nun das Augenmerk auch auf Angehörige gelenkt werden, die zwar keine Pflegeleistungen erbringen, das Leiden und die Gebrechen der alternden Eltern aber miterleben und teilweise mit durchleiden oder auch Schuldgefühle entwickeln, weil sie die Eltern nicht selbst pflegen, sondern es anderen überlassen. Die Autoren raten, nicht nur die pflegenden Angehörigen, sondern auch die nicht-pflegenden Angehörigen psychologisch zu unterstützen und zur Selbstfürsorge anzuleiten. ms

Wolf D, Raissian K, Grundy E: Parental disability, parent care, and offspring mental health outcomes. European Journal of Aeging 2015; 12(3): 175–85.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema