ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2016Amok und Gewalttaten: Einblick in die Dynamik von schwerer Gewalt

BÜCHER

Amok und Gewalttaten: Einblick in die Dynamik von schwerer Gewalt

PP 15, Ausgabe April 2016, Seite 191

Foerster, Klaus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Das positive Fazit vorneweg: Ein ebenso begrüßens- wie lesenswertes Buch. Die beiden Herausgeber vom Darmstädter Institut „Psychologie und Bedrohungsmanagement“ legen einen Sammelband zu Fragen und Problemen gewalttätigen Handelns vor.

Das Buch umfasst drei große Teile: Im ersten Teil werden psychiatrische und psychologische Fragen einschließlich der forensisch-psychiatrischen Begutachtung abgehandelt. Bereits in diesen einleitenden drei Kapiteln wird dargelegt, dass Amoktäter häufig als psychisch krank oder psychisch gestört eingeschätzt werden. Es wird hervorgehoben, wie wichtig die Risikoeinschätzung in Bezug auf bedrohliches Verhalten ist.

Anzeige

Im zweiten Teil werden schwere Gewalttaten dargestellt, die von erwachsenen Tätern begangen werden. Sehr informativ ist das Kapitel über die historische Entwicklung der heute als Amok bezeichneten Handlungen, da die ursprüngliche Bedeutung des individuellen malaiischen Amoks zu neuen aktuellen Definitionen geführt hat. In diesem Kapitel wird darüber informiert, dass derartige Gewalthandlungen kein prinzipiell neues Phänomen sind. Der dritte Teil beschäftigt sich mit schwerer zielgerichteter Gewalt und Amokhandlungen in Schulen. In einem gesonderten Kapitel werden die Konvergenzen und Divergenzen zwischen Amok und Suizid aufgezeigt.

Der vierte Abschnitt beschäftigt sich mit der Risikoanalyse und dem Bedrohungsmanagement. Dabei wird hervorgehoben, dass es im Vorfeld derartiger Taten fast immer Hinweise auf das spätere Verhalten gab, wodurch die Analyse solcher Bedrohungen besondere Bedeutung gewinnt. Die Herausgeber haben hierzu eine Warnverhaltenstypologie mit Hinweissignalen auf dem Weg zur Gewalt entwickelt, die sie in einem Kapitel darstellen. Es werden acht Kategorien von Warnverhalten beschrieben, wobei jede Kategorie durch Beispiele und Verhaltensmöglichkeiten im Rahmen des Bedrohungsmanagements sehr praxisnah erläutert wird. Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit terroristischen Anschlägen und Anschlägen durch radikalisierte Einzeltäter.

Das Ziel, einen Einblick in die Dynamik der verschiedenen Formen schwerer und schwerster Gewalttaten zu geben, ist sehr gut gelungen. Das Layout ist übersichtlich. Kasuistiken, Präventionshinweise und wichtige Kernaussagen sind im Text hervorgehoben. Das Buch ist sehr gut lesbar und ohne Einschränkungen zu empfehlen, vor allem für alle Berufsgruppen, die mit konkreten Gewalthandlungen befasst sind oder die Drohungen analysieren müssen, also Kriminologen, forensische Psychiater und forensische Psychologen. Klaus Foerster

Jens Hoffmann, Karoline Roshdi: Amok und andere Formen schwerer Gewalt. Schattauer, Stuttgart 2015, 320 Seiten, gebunden, 59,99 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige