Medizin

Kasuistik

Medizin studieren, SS 2016: 32

Bertelsen, Hans-Werner; Bergler, Wolfgang

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Ein 58-jähriger Patient, ein Diabetiker, stellte sich mit einer kirschkerngroßen perimandibulären, schmerzhaften Induration beim Arzt vor. Nach Röntgendiagnostik und Sonographie wurde ein Tumor bei klarer Abgrenzung der regionalen Lymphknoten operativ entfernt. Einige Monate später trat jedoch erneut ein derb tastbarer Tumor auf.

3 Monate nach Beginn der Beschwerden: Röntgendiagnostik
3 Monate nach Beginn der Beschwerden: Röntgendiagnostik
20 Monate nach Beginn: Verätzung der Gewebewucherung mit Silbernitrat-Ätzstift. Weitere Wundbehandlung mit Salben
20 Monate nach Beginn: Verätzung der Gewebewucherung mit Silbernitrat-Ätzstift. Weitere Wundbehandlung mit Salben

Das MRT zeigte einen geringgradig vergrößerten Lymphknoten, eine ödematöse Infiltration des umgebenden subkutanen Fettgewebes und eine umgebende entzündlich veränderte Lymphadenitis. Da eine Antibiose nicht zur Besserung der Beschwerden führte, erfolgte eine weitere Operation mit Entfernung des Tumors und des benachbarten Lymphknotens. Die Histologie zeigte keine Malignität. Im Bereich der OP-Narbe kam es jedoch zu einer blutigen Sekretion, so dass eine Wundrevision mit Exstirpation einer Halsfistel vorgenommen wurde.

Auflösung

Der Patient litt an einer chronisch granulierenden Parodontitis (nach Partsch).

Hintergrund

Die chronische Entzündung einer Zahnwurzelspitze (apicale Parodontitis) kann weitgehend ohne die typischen Symptome (Aufbissempfindlichkeit oder Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes) einhergehen. Oftmals ist der chronische – oftmals klinisch stumme – Verlauf einer apicalen Parodontitis durch die Bildung einer kleinen Zyste gekennzeichnet. Ist die Immunabwehr des Patienten reduziert oder durch eine limitierte Mikroperfusion, wie bei Diabetikern, eingeschränkt, kann es zu einer Ausbreitung in die benachbarten Logen oder zu einer extraoralen Fistelbildung kommen (chronisch granulierende Parodontitis nach Partsch).

Therapie

Dem Patienten wurden – leider erst nach einem über zweijährigem Leidensweg – die beiden, als ursächliche Infektionsquelle anzusehenden Zähne, extrahiert.

Dr. med. dent. Hans-Werner Bertelsen,
Prof. Dr. med. Wolfgang Bergler

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