ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2016Arbeiten in der Anästhesie: Das unterschätzte Fachgebiet

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Arbeiten in der Anästhesie: Das unterschätzte Fachgebiet

Dtsch Arztebl 2016; 113(15): [16]

Spielberg, Petra

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Die Anästhesie ist ein sehr abwechslungsreiches und anspruchsvolles Fach, denn Anästhesisten werden sowohl im OP, als auch auf Intensivstationen, in der Notfallmedizin und in der Schmerztherapie benötigt.

Anästhesisten arbeiten in vielen Bereichen der Medizin und haben gute Karriereaussichten. Foto: Your Photo Today
Anästhesisten arbeiten in vielen Bereichen der Medizin und haben gute Karriereaussichten. Foto: Your Photo Today

Zwar ist die Anästhesie im Vergleich zu anderen Disziplinen ein noch eher „junges“ Fach. Dennoch zählt das Fachgebiet zu den vielfältigsten und abwechslungsreichsten Fächern der Medizin. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die vier Säulen – Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin -, die das Fach charakterisieren. Entsprechend breit ist die medizinisch praktische Grundlagenausbildung. Und in puncto Karrierechancen sieht es für Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesie ebenfalls sehr gut aus.

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„Die moderne Anästhesie ist mehr oder weniger immer eine akute intraoperative Intensivmedizin“, umreißt Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster sowie Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), die erste Säule des Faches. Dies mache es unter anderem möglich, dass heutzutage auch über 90-Jährige noch ohne Risiken operiert werden können.

Für Dr. med. Diane Bitzinger, die als Assistentärztin am Universitätsklinikum Regensburg arbeitet und bei der DGAI die Gruppe der „jungen Anästhesie“ vertritt, ist zudem reizvoll, dass das Fach sowohl angewandte Physiologie als auch Pharmakologie gepaart mit manuell-handwerklicher Tätigkeit umfasst. „Außerdem sieht man die Effekte seiner Arbeit sehr zeitnah. Das fasziniert mich“, so Bitzinger.

Spannende Mischung

Hinzu komme, dass es Anästhesisten mit den unterschiedlichsten Patienten und Herausforderungen zu tun haben, angefangen von Schwangeren, über Kinder bis hin zu multimorbiden geriatrischen Patienten. „Das ist eine spannende und abwechslungsreiche Mischung“, findet Bitzinger. Auch seien Anästhesisten mit deutlich weniger Bürokratie belastet als andere Fächer.

Die junge Frau hat Ende letzten Jahres ihre Weiterbildung abgeschlossen und arbeitet seit nunmehr zwei Jahren am Universitätsklinikum Regensburg in der Kardioanästhesie. Mitte des Jahres wird sie mit der Zusatzweiterbildung Intensivmedizin beginnen, der zweiten wesentlichen Säule des Faches.

Gerade dieser Bereich ist aus Sicht von Van Aken für Anästhesisten sehr interessant, da in großen Kliniken inzwischen rund 15 bis 20 Prozent der Betten intensivmedizinisch genutzt werden. „Leiter einer Intensivstation, egal ob es sich um eine operative Intensivstation oder eine gemischte interdisziplinäre Intensivstation handelt, sind heutzutage überwiegend Anästhesisten“, sagt Van Aken. Grund hierfür sei, dass die qualifizierte ärztliche und organisatorische Leitung einer Intensivstation eine Freistellung von sonstigen ärztlichen Tätigkeiten erfordert, was für viele Chirurgen unattraktiv sei. Und die Zahlen sprechen für sich: Deutschlandweit gibt es derzeit rund 1 500 Anästhesisten mit Zusatzweiterbildung Intensivmedizin, aber nur 250 Chirurgen.

Anästhesisten, die im Notarzteinsatz tätig sind, müssen nicht nur über Teamgeist verfügen, sondern auch in der Lage sein, schnelle und konkrete Entscheidungen unter mitunter ungewöhnlichen und extremen Bedingungen zu fällen. Für viele junge Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesie ist die Notfallmedizin zudem ein attraktives Feld, um sich nebenbei etwas dazuzuverdienen.

„Eine Tätigkeit im Notarzteinsatz ist bereits nach dem zweiten Weiterbildungsjahr möglich“, macht Van Aken deutlich. Auch Diane Bitzinger hat die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin erworben und ist in ihrer Freizeit ein- bis zweimal im Monat als Notärztin unterwegs.

Vielfältiges Fach

Als weitere Einsatzfelder stehen Anästhesisten die Schmerztherapie sowie die Palliativmedizin offen, wobei insbesondere die chronische Schmerztherapie ein sehr interdisziplinäres Arbeiten erfordert.

Insgesamt sind aufgrund der Vielfalt des Faches und der hohen Nachfrage nach Anästhesisten die Karriereaussichten sehr gut. Da die Abläufe in der Klinik für Anästhesisten sehr planbar sind, lassen sich zudem relativ problemlos Teilzeitarbeitsmodelle implementieren, was gerade für junge Anästhesistinnen reizvoll ist. Immerhin beträgt der Frauenanteil bei den Weiterbildungsassistenten in der Anästhesie bereits rund 55 Prozent.

Petra Spielberg

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