ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2016Mitarbeiterführung: Die Signalwirkung des Chefs

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Mitarbeiterführung: Die Signalwirkung des Chefs

Dtsch Arztebl 2016; 113(15): [2]

Kutscher, Patric P.

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Wer Ziele erreichen will und Verantwortung trägt, braucht dazu die Unterstützung anderer Menschen. Welche Kräfte, Potenziale und Energiequellen Ärzte nutzen können, um Mitarbeiter zu Anhängern und Mit-Arbeitern zu machen

Foto: Fotolia/Natalia Merzlyakova

Die Betonung der hierarchischen Ordnung wird nie oder selten zu überzeugten Anhängern führen, die den Arzt bei seinen Projekten unterstützen, weil sie an das Projekt oder ihn selbst glauben.

Kraftquelle „Vorbildwirkung“

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Eine der mächtigsten Kraftquellen dürfte die Vorbildwirkung sein: Wer das, was er von anderen Menschen will oder verlangt, selbst lebt und vorlebt, wirkt glaubwürdiger und authentischer und regt eher zum Mitmachen an als derjenige, der von anderen zum Beispiel bedingungslosen Einsatz verlangt, aber selbst der Philosophie des pünktlichen Feierabends frönt.

„Eine Führungskraft sollte sich darüber im Klaren sein, dass ihr Verhalten, auch das Verhalten im Patientengespräch, stets zur Nachahmung anregt“, gibt Prof. Dr. med. Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter am Unfallkrankenhaus Berlin, zu bedenken. „Das Verhalten der Chefin oder des Chefs übt so etwas wie eine Signalwirkung aus, im Guten und im Schlechten, und trägt maßgeblich zur Unternehmenskultur oder besser gesagt zur Klinikkultur und zum Betriebsklima bei.“

Kraftquelle „Wertschätzung“

Ob Kollege, Vorgesetzter, Mitarbeiter oder Patient, so gut wie alle Menschen fühlen sich an (Arbeits-)Orten wohler, an denen sie sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlen. Damit die Wertschätzung ehrlich rüberkommt, ist es richtig, wenn der Arzt die Leistungen seines Umfeldes und der Menschen begründend lobt und Leistungen anerkennt, indem er konkret benennt, warum er dies so beurteilt.

„Wichtig ist, dass die Wertschätzung nicht immer nur die Arbeitsleistungen selbst betrifft“, empfiehlt Schaffartzik, „sondern auch die Person zum Beispiel des Mitarbeiters. Wertschätzung sollte stets zur Bestätigung oder Steigerung des Selbstwertgefühls des angesprochenen Menschen führen.“ Das heißt: Während der Arzt bei der Kritik darauf achtet, nie die Person selbst in den Fokus zu rücken, weil sie ansonsten als Angriff verstanden werden könnte, sondern immer nur das kritisierte Verhalten, sollte er mit seinen wertschätzenden und lobenden Worten auch den persönlich-emotionalen Bereich berühren.

Kraftquelle „Überzeugung“

Wer Menschen für etwas motivieren und zu etwas bewegen will, ist auf Überzeugungsstrategien angewiesen. Entscheidend dabei ist, in die Vorstellungswelt des Angesprochenen einzutauchen und aus dieser heraus Überzeugungsarbeit zu leisten. Dabei sollte der Arzt bedenken, dass in den meisten Gesprächen unterschiedliche und subjektive Weltbilder aufeinanderprallen. Die Folge: Jeder versucht den anderen so zu überzeugen, dass dieser sein Handeln entsprechend den eigenen Zielen verändert.

Das große „Aber“ lautet: Wirksame und nachhaltige Überzeugungsarbeit kann meistens nur in der Realität dessen stattfinden, der überzeugt werden soll – also zum Beispiel in der Wirklichkeit des Mitarbeiters oder des Patienten. Darum muss der Arzt eine Strategie entwickeln, die ihm hilft, sich in dessen Welt zu versetzen und aus dessen Perspektive heraus zu argumentieren.

Kraftquelle „Sprache“

Natürlich spielt bei der Überzeugungsarbeit die Sprache eine dominante Rolle. Das bedeutet nun nicht, dass der Arzt sich rhetorischer Tricks und Kniffe bedienen soll. Die Kraftquellen stehen allesamt in einem Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. „Wer seine Überzeugungen mit rhetorischen Finessen durchsetzen will, verstößt gegen die Gebote der Wertschätzung und der Authentizität“, merkt Schaffartzik an. „Er wird vielleicht kurzfristig andere Menschen auf seine Seite ziehen können, dies wird jedoch ohne nachhaltige Wirkung geschehen.“

Trotzdem ist es zielführend, wenn der Arzt kommunikative Kompetenz aufbaut und sich damit beschäftigt, wie er seine Botschaft überzeugend ausformuliert und so an seine Gesprächspartner transportiert, dass sie ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit folgen.

Kraftquelle „Argumente“

Zum Aspekt der kommunikativen Kompetenz nur zwei Beispiele: Es ist hilfreich, wenn der Arzt es versteht, seine Argumente mit Hilfe der Technik „These und Gegenthese“ vorzutragen. Dazu führt er den Gesprächspartner zum Thema hin, stellt eine These (Standpunkt 1) und schließlich eine Gegenthese (widersprechender Standpunkt 2) auf, um das Ganze zusammenzufassen und eine (Kompromiss-)Lösung zu bieten.

Ähnliches gilt für die „Argumentationskette“: Einer einleitenden These („Diese Vorgehensweise eignet sich für Sie, weil . . .“) folgen die Argumente 1, 2 und 3, die die Meinung des Gesprächspartners integrieren, aufeinander aufbauen, eine „Kette“ bilden und in einen Appell münden.

Kraftquelle „Empathie“

Diese Kraftquelle steht mit der „Wertschätzung“ in einem Kontext: Wenn es in einer Konfliktsituation darauf ankommt, die Sichtweise eines Mitarbeiters oder gleich mehrerer Konfliktparteien nachzuvollziehen und einzunehmen, kann sich der Arzt mit Hilfe seines empathischen Einfühlungsvermögens eher eine eigene Meinung bilden. Er betrachtet die Auseinandersetzung aus deren jeweiliger Perspektive.

Empathiefähigkeit lässt sich durchaus erlernen und trainieren. Aufmerksames Zuhören und genaues Beobachten gehören zu den Grundtugenden des empathischen Menschen. „Dabei sollte der Arzt jedoch nicht vergessen, seine eigenen Interessen zu berücksichtigen und zu wahren. „Empathievermögen“, so Schaffartzik, „darf sich nicht nur auf andere Menschen beziehen, sondern auch und vor allem auf die eigene Person“.

Kraftquelle „Authentizität“

Bei dem Vorhaben, Menschen zu überzeugen, auf seine Seite zu ziehen und zu Anhängern der eigenen Position zu entwickeln, ist der Aspekt der Authentizität der Punkt, ohne den die anderen Kraftquellen an Wirkung deutlich verlieren. Wort und Tat, Überzeugung und Handeln, das, was der Arzt äußert, und das, was er tut, sollten (nahezu) deckungsgleich sein.

Ist dies nicht der Fall, büßt der Arzt enorm an Glaubwürdigkeit ein. Die anderen Kraftquellen verlieren an Bedeutung und Wirksamkeit, die Menschen nehmen nicht mehr für bare Münze, was der Arzt sagt und unternimmt. Wird er hingegen vom Umfeld als authentischer Mensch wahrgenommen, werden ihm selbst Fehler verziehen, insbesondere wenn er sie zugibt.

Patric P. Kutscher

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