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Arbeiten in der Chirurgie: Innovationen prägen das Fach

Dtsch Arztebl 2016; 113(16): [20]

Spielberg, Petra

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Die chirurgische Technik entwickelt sich stetig weiter. Foto: picture alliance
Die chirurgische Technik entwickelt sich stetig weiter. Foto: picture alliance

Die Chirurgie steht zunehmend im Spannungsfeld von Technik, Ethik und Ökonomie. Dennoch erfreut sich das Fach mit seinen zahlreichen Schwerpunkten immer noch großer Beliebtheit bei den Nachwuchsmedizinern. Zu Recht, denn die Einsatzgebiete sind vielfältig

Chirurgen werden dringend gebraucht. Das macht allein schon ein Blick in die Zukunft deutlich: 2020 werden die Hälfte der niedergelassenen und ein Drittel der angestellten Chirurgen in Rente gehen. Doch trotz der großen Nachfrage leidet die Chirurgie, wie die meisten anderen medizinischen Fachgebiete, unter der zunehmenden Öko­nomi­sierung der Medizin. „Wir brauchen wieder mehr Zeit für das Gespräch mit den Patienten“, fordert Prof. Dr. med. Gabriele Schackert, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) im Vorfeld des diesjährigen Chirurgenkongresses.

Seit Einführung der Klinikvergütung DRG vor mehr als einem Jahrzehnt arbeiteten die Krankenhäuser immer intensiver daran, die Patientenfälle aus ökonomischer Sicht zu betrachten. „Es gilt, den maximalen Erlös zu erzielen. Je mehr und je schwieriger die Fälle bei mittlerer Verweildauer sind, desto besser“, so Schackert. Die Zeit, die man mit den Patienten verbringe, schlage sich hingegen nicht in der Vergütung nieder.

„Viele Eingriffe würden entfallen, wenn wir die Zeit hätten, im Gespräch den Willen des Patienten kennenzulernen und die richtige, individuelle Indikation zu stellen“, meint die Neurochirurgin. „Dieser Zeitaufwand ist genauso wichtig wie die Operation mit gutem Behandlungsergebnis und muss in der Vergütung berücksichtigt werden.“

Dennoch: Trotz ökonomischer Zwänge gibt es offensichtlich weiterhin gute Gründe, Chirurg zu werden. Immerhin steht die Weiterbildung zur Chirurgin oder zum Chirurgen bei den Nachwuchsmedizinern unangefochten an erste Stelle.

Doch was macht einen „guten“ Chirurgen aus? Voraussetzung für den Job sind zum einen ein umfangreiches Fachwissen, Teamfähigkeit, Ausdauer, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit, operative Fähigkeiten sowie Geschicklichkeit. Hinzu kommt eine hohe körperliche und mentale Belastbarkeit.

Doch Chirurgie ist nicht gleich Chirurgie. Das Fach gliedert sich in mehrere Spezialgebiete auf, wie allgemeine Chirurgie, Unfallchirurgie, Kinderchirurgie, Herz- und Thoraxchirurgie, Gefäßchirurgie oder die plastische Chirurgie.

Forschung und Lehre möglich

Ein sehr vielseitiger und in seiner inhaltlichen Ausrichtung noch recht junger Weiterbildungszweig ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, den es als gemeinsames Teilgebiet seit 2005 gibt. Nach der Facharztausbildung können entsprechend weitergebildete Ärztinnen und Ärzte in verschiedensten Spezialgebieten arbeiten, etwa in der Handchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, der Notfallchirurgie oder auch der Sportmedizin. Aber auch in Forschung und Lehre gäbe es gute und spannende Betätigungsfelder, so Dr. med. Sascha Flohé, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am Städtischen Klinikum Solingen auf dem Operation Karriere Kongress des Deutschen Ärzteblattes Anfang Dezember in Köln. Der Spezialist ist ferner davon überzeugt, dass durch den demografischen Wandel und die damit verbundene wachsenden Zahl an degenerativen Erkrankungen in der Zukunft noch mehr Einsatzgebiete auf die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie zukämen.

Ein sehr spannendes Fach, das sich ständig weiterentwickelt ist auch die Neurochirurgie. „Viele unserer Therapien sind durch einen gezielten Austausch und Kooperation mit Nachbardisziplinen wirkungsvoller geworden, zum Beispiel durch Behandlung im Rahmen fachübergreifender Konferenzen in der Onkologie, der Epilepsiechirurgie, der Tiefenhirnstimulation oder der Gefäßchirurgie“, machte Prof. Dr. med. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Münster und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in einem Interview auf einem Nachwuchskongress Mitte November in Berlin deutlich.

Für den gesamten Bereich der Chirurgie gilt nach Aussage von Schackert zudem: „Uns allen ist bewusst, dass Neuerungen in der Chirurgie mit Veränderungen der Operationsstrategien verbunden sind. Die Eingriffe werden kleiner, weniger traumatisierend. Innovative intraoperative Bildgebungsmöglichkeiten minimieren unsere Eingriffe und machen sie schonender. Damit wird sich die chirurgische Technik ändern. Endoskopische und interventionelle Eingriffe werden zunehmend an Bedeutung gewinnen.“ Petra Spielberg

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