ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1996Psychotherapie: Zusammenhänge

SPEKTRUM: Leserbriefe

Psychotherapie: Zusammenhänge

Boroffka, Alexander

Zu dem Beitrag "Psychotherapeutengesetz: Die KBV bietet Seehofer ein Integrationsmodell an" von Josef Maus in Heft 16/1996
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LNSLNSLNSLNS Beim Lesen Ihrer obigen Betrachtung dachte ich zurück an die Zeit, als wir vor 25 Jahren einen Gesetzentwurf über "Nichtärztliche Psychotherapeuten" im Gesprächskreis der Psychiatriereferenten diskutierten, dem ich als Vertreter Schleswig-Holsteins angehörte. Damals fiel mir aus meiner Zeit als Fachvertrauensarzt bei der KVAB in Berlin ein, was unser Direktor Dr. med. Panick zu sagen pflegte: "Krankenhauskosten hängen von der Zahl der vorhandenen Betten ab. Kein Krankenhaus kann mit den durch leere Betten verbundenen Einnahmeausfällen existieren und muß also dafür sorgen, daß die Betten belegt sind." Da die Frage des Bedarfs an Psychotherapie kaum zu klären ist, wandte ich die "Panicksche Regel" auf die "nichtärztlichen Psy-chotherapeuten" an. Die damals etwa 10 000 potentiellen Therapeuten würden ihre Patienten/Klienten finden. Das jährliche Einkommen eines niedergelassenen "nichtärztlichen Psychotherapeuten" müßte bei bescheidenen Ansprüchen etwa jährlich 100 000 DM betragen. Das hätte pro Jahr 1 000 000 000 DM Mehrausgaben für die Krankenkassen bedeutet. Damals verschwand der Gesetzentwurf sang- und klanglos in der Schublade des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums.
Bei einer vorsichtig geschätzten jährlichen Zuwachsrate qualifizierter nichtärztli-cher Psychotherapeuten von 5 Prozent und einer Teuerungsrate von 3 Prozent würde die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes heute nach der "Panickschen Regel" für die Krankenkassen zu Mehrausgaben von etwa 8 000 000 000 (in Worten: acht Milliarden) führen. Eine Zulassungsbeschränkung dürfte, wie in den fünfziger Jahren bei den Ärzten, Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht zur Folge haben. Ob die bei der Gesetzgebung beteiligten Gremien die "Panicksche Regel" bedenken?
Dr. med. Alexander Boroffka, Segeberger Landstraße 17, 24145 Kiel
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