ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2016Exzellenzinitiative: Die zwei Seiten der Medaille

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Exzellenzinitiative: Die zwei Seiten der Medaille

Dtsch Arztebl 2016; 113(17): A-793 / B-673 / C-665

Richter-Kuhlmann, Eva

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Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redaktion
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redaktion

Von einem „Tag der Freude für die deutschen Universitäten“ und einem „guten Tag für die Wissenschaft“ sprach Bun­des­for­schungs­minis­terin Johanna Wanka (CDU), als sie am vergangenen Freitag strahlend die Details des neuen Förderprogramms für die deutsche Spitzenforschung an Universitäten als Nachfolge der 2017 auslaufenden Exzellenzinitiative verkündete: Acht bis elf „Exzellenz-Universitäten“ sollen künftig als Leuchttürme der Forschung gefördert sowie 45 bis 50 Exzellenzcluster unterstützt werden – so sieht es die Vereinbarung vor, die Bund und Länder jetzt in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) getroffen haben. Jährlich wollen sie dafür 533 Millionen Euro zur Verfügung stellen, und zwar wie bisher im Verhältnis drei Viertel zu einem Viertel.

Über die zugesagte Unterstützung, die es nach einer Überbrückungsphase ab 2019 geben soll, kann sich die Forschung in der Tat freuen. Doch wie so oft hat die Medaille zwei Seiten – wobei gerade die Hochschulmedizin von der Kehrseite betroffen ist.

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Zum Strahlen der Vorderseite trägt ein Novum bei: Erstmals sollen die durch die Exzellenzinitiative begonnenen Anstrengungen zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland im internationalen Wettbewerb dauerhaft fortgesetzt werden. „Wir schlagen ein neues Kapitel der Forschungsförderung auf“, betonte Wanka, die derzeit gleichzeitig amtierende GWK-Vorsitzende ist. Der Bund will die neuen grundgesetzlichen Regelungen des Artikels 91 b nutzen und die Hochschulen an verschiedenen Stellen auf Dauer unterstützen. Dies bringt dringend benötigte Planungssicherheit, mit der die geförderten Wissenschaftler langfristige Ziele verfolgen können, auch wenn sie sich alle sieben Jahre einer wissenschaftlichen Evaluierung stellen müssen. Einen deutlichen Schwerpunkt setzt die Politik bei den künftigen Exzellenzclustern, die die erste Förderlinie darstellen. Eine Forschungseinrichtung muss künftig mindestens zwei geförderte Cluster aufweisen, um sich überhaupt als Eliteuniversität, also auf die zweite Förderlinie, bewerben zu können.

Und das gehört zur Kehrseite der Medaille: Beim Wettbewerb um eine Förderung als deutscher „Leuchtturm der Forschung“ werden die größeren Universitäten eindeutig im Vorteil sein. Zudem besteht die Gefahr, dass der Elitestatus der prämierten Hochschule zementiert wird. Konkret: Wer nicht bis April 2017 erfolgversprechende Clusteranträge einreicht und ab November 2019 bei der Förderung dabei ist, wird es schwer haben. Doch nicht immer wird an den größten Universitäten die erfolgreichste Forschung betrieben. Und nicht immer herrschen dort die besten Lehr- und Lernbedingungen für den Nachwuchs.

Generell scheint die traditionelle universitäre Idee – die Einheit von Forschung und Lehre – auf der Schattenseite der neuen funkelnden Exzellenzmedaille zu stehen. Ganz zu schweigen von dem Anspruch der Hochschulmedizin, zusätzlich noch eine Krankenversorgung auf höchstem Niveau zu vertreten. Das große Manko der deutschen Wissenschaftspolitik bleibt also weiterhin die mangelnde Grundfinanzierung der Universitäten – schmerzlich und gefährlich besonders für die Hochschulmedizin. Denn exzellente Medizin, Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen auf Augenhöhe und eine solide Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses setzen eine bedarfsgerechte Grundfinanzierung voraus.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
Politische Redaktion

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