ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2016Skoliose: App-Unterstützung gegen Rückenschmerzen

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Skoliose: App-Unterstützung gegen Rückenschmerzen

Dtsch Arztebl 2016; 113(17): A-834 / B-706 / C-696

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Ein digitaler Coach soll mit dazu beitragen, die therapeutische Wirkung einer Orthese zu verbessern. Foto: fotolia
Ein digitaler Coach soll mit dazu beitragen, die therapeutische Wirkung einer Orthese zu verbessern. Foto: fotolia

Skoliose stellt eine häufige orthopädische Behandlungsindikation bei Kindern und Jugendlichen dar. Viele Patienten müssen als therapeutische Maßnahme ein Korsett tragen, das der Verkrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule mechanisch entgegenwirken soll. Die Heilungschancen sind gut – allerdings nur, wenn die Patienten dieses Korsett während der Wachstumsphase täglich bis zu 23 Stunden lang tragen.

 „Eine solche Einschränkung mitten in der Pubertät wird von den wenigsten Kindern und Jugendlichen gut angenommen“, sagt Dr. Susanne Dannehl, psychologische Psychotherapeutin am Fachgebiet für Medizintechnik an der Technischen Universität Berlin. Unklar ist auch, welche Korsettform am effektivsten ist und welche Tragedauer zu empfehlen ist. „Das Problem bei Orthesen ist, dass es keine vernünftigen Vergleichsdaten gibt“, erläutert Prof. Dr. Marc Kraft, Leiter des Fachgebietes Medizintechnik. Der Arzt sehe die Kinder in der Regel alle sechs Monate und die Eltern könnten nicht permanent die Tragedauer überwachen. „Eine objektive Erfassung therapierelevanter Daten wie Tragedauer, Ausmaß der ausgeführten Bewegungen, wo treten Druckstellen auf und so weiter – ist so unmöglich.“

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Ein digitaler Coach, der einerseits das Trageverhalten der Patienten registriert und andererseits die Patienten motiviert sowie Anregungen und Hilfestellung gibt, soll diese Betreuungslücke schließen. Für den digitalen Coach werden in die Korsetts verschiedene Sensoren, die therapierelevante Aktivitätsdaten wie Bewegung, Körperhaltung, Atmung und Druckverhältnisse erfassen, integriert. Per Funktechnik werden die Daten kabelfrei an eine App auf das Smartphone der Patienten übermittelt. Die App wird gemeinsam mit an Skoliose erkrankten Kindern und Jugendlichen entworfen. Grundsätzlich soll die App so konstruiert werden, dass die sensiblen Daten nur dem Patienten zugänglich sind.

Das regionale Innovationscluster BeMobil, ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit circa 19 Millionen Euro gefördertes Projekt, zielt darauf ab, diese Potenziale auszuloten (www.bemobil.net). Die „digitalen Physiotherapeuten“ sollen älteren oder erkrankten Menschen mehr Verantwortung für die eigene Therapie ermöglichen. Dabei geht es nicht allein um die Datenerfassung, sondern auch um die Entwicklung von Motivationskonzepten und Verhaltensanleitungen. EB

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