ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2016Barrierefreiheit: Regierung will Praxisumbau fördern

POLITIK

Barrierefreiheit: Regierung will Praxisumbau fördern

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Schon lange unterstützt unter anderem die KBV Ärzte, die ihre Praxis behindertengerecht machen wollen. Nun will auch die Bundesregierung Geld für einen Praxisumbau bereitstellen.

Immer mehr Rampen ermöglichen Rollstuhlfahrern den Zugang zu Arztpraxen. Foto: CanStockphoto
Immer mehr Rampen ermöglichen Rollstuhlfahrern den Zugang zu Arztpraxen. Foto: CanStockphoto

Für niedergelassene Ärzte ist es ein wichtiges Anliegen, auch ihren behinderten Patienten den Zugang zu ihrer Praxis zu ermöglichen. Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein zeigen, dass viele Niedergelassene ihre Praxen in den vergangenen Jahren umbauen ließen, um sie barrierefrei zu machen. Gab es im Jahr 2010 in Nordrhein 2 300 solcher Praxen, waren es 2015 bereits 6 200. Der Anteil der barrierefreien Praxen im KV-Bezirk hat sich dadurch um 30 Prozentpunkte erhöht. Umgebaut wurden dabei ebenso Bestands- wie Neupraxen. Insgesamt sind in Nordrhein derzeit 20 Prozent der Praxen vollständig barrierefrei und zusätzlich 27 Prozent barrierearm, also eingeschränkt barrierefrei oder für Gehbehinderte zugänglich.

Anzeige

Im sechsstelligen Bereich

Es ist jedoch nicht allen Vertragsärzten möglich, ihre Praxis umbauen zu lassen – denn ein solcher Umbau ist extrem teuer. Gemeinsam mit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vor kurzem ein Architekturbüro damit beauftragt, die Kosten für den barrierefreien Umbau einer Arztpraxis zu beziffern. „Das Gutachten zeigt an drei realen Praxen beispielhaft, welche Kosten ein barrierearmer Umbau verursachen würde“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Gassen, bei der Vorstellung des Gutachtens Mitte April in Berlin. „In dem Gutachten sind die notwendigen Investitionen konkret benannt, die je nach Lage, Stockwerk, Alter und technischer Ausstattung anfallen würden. Sie liegen häufig im unteren sechsstelligen Bereich.“ Das seien Summen, die durch die ärztliche und zahnärztliche Vergütung in keiner Weise gedeckt seien. Sie seien von den Praxen alleine nicht zu stemmen.

Aus diesem Grund sind KBV und KZBV bereits vor einigen Jahren an die Politik mit der Bitte herangetreten, ein Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufzulegen, mit dem Ärzte finanziell unterstützt werden können, die ihre Praxen zu barrierefreien umbauen wollen. Die Politik signalisierte Entgegenkommen.

Initiative der Regierung

Auch die Vereinten Nationen (UN) haben sich dieses Themas angenommen. In der UN-Behindertenkonvention heißt es, Menschen mit Behinderungen müssten den gleichen Schutz wie Menschen ohne Behinderungen erhalten. Zur Umsetzung der Konvention hat die Bundesregierung im Jahr 2011 einen „Nationalen Aktionsplan“ vorgelegt. Darin heißt es unter anderem, dass alle Menschen mit Behinderungen einen barrierefreien Zugang zu allen Gesundheitsdiensten und Gesundheitsdienstleistungen haben sollen.

Derzeit arbeiten Union und SPD an einer Neuauflage des Aktionsplans. „Die Bundesregierung plant, als ressortübergreifende Maßnahme eine mit Bundesmitteln gestützte Initiative zum Thema ‚Barrierefreiheit in Unternehmen‘ aufzulegen, die insbesondere freiberuflichen Ärztinnen und Ärzten zugute kommen soll, die ihre Praxen barrierefrei umbauen wollen“, heißt es in einem Arbeitsentwurf. Es solle dabei geprüft werden, ob im Rahmen vorhandener Kreditprogramme der KfW das Fördermerkmal ‚Barrierefreiheit‘ stärker herausgestellt und mit einer speziellen Vertriebskampagne für barrierefreie Arztpraxen adressiert werden könnte. „Dieses Vorhaben begrüßen wir ausdrücklich“, betonte Gassen.

KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann wies darauf hin, dass die Zulassungsausschüsse heute bereits darauf achteten, dass eine neue Praxis barrierefrei sei. Darüber hinaus habe die KBV in der Reihe „Praxiswissen“ die Broschüre „Barrieren abbauen“ herausgegeben sowie das Qualitätszirkel-Modul „Barrieren identifizieren“ ins Leben gerufen. Auch der NAV-Virchow-Bund hat eine Broschüre zu dem Thema herausgegeben. Die KBV-Broschüre werde von den Vertragsärzten rege nachgefragt, betonte Feldmann. Das beweise, wie sehr das Thema in der Versorgung vor Ort angekommen sei.

Falk Osterloh

@Die KBV-Informationen im Internet:
www.aerzteblatt.de/16812

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote