ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2016Frage der Woche an . . . Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)

Sie warnen davor, immer mehr Abteilungen für Allgemeine Innere Medizin zu verkleinern. Ansonsten drohe ein Fachärztemangel und Versorgungsengpässe für Menschen mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen. Woran machen Sie Ihre Kritik fest?

Dtsch Arztebl 2016; 113(17): [4]

Glöser, Sabine

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Sie warnen davor, immer mehr Abteilungen für Allgemeine Innere Medizin zu verkleinern. Ansonsten drohe ein Fachärztemangel und Versorgungsengpässe für Menschen mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen. Woran machen Sie Ihre Kritik fest?

Fölsch: Unter den chronischen Erkrankungen nimmt insbesondere der Typ-2-Diabetes zu; derzeit sind etwa sieben bis acht Prozent der Bevölkerung betroffen, die absolute Zahl steigt um etwa 300 000 jedes Jahr. 30 Prozent der in Deutschland stationär betreuten Patienten sind von einem Diabetes betroffen. Daher erfüllt es uns mit Sorge zu beobachten, dass in jüngster Zeit in Kliniken Abteilungen für Allgemeine Innere Medizin oder für Innere Medizin mit zusätzlichem Schwerpunkt für Diabetes, Endokrinologie und Stoffwechsel aufgelöst oder drastisch verkleinert werden. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Krankenhäuser privater Betreiber, sondern auch kommunale Einrichtungen und ist insbesondere in städtischen Ballungsräumen zu beobachten.

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Ausschlaggebend für diese besorgniserregende Entwicklung ist der ökonomische Druck. Kliniken erzielen mit internistischen, häufig multimorbiden Patienten nicht die Erlöse, die durch komplexe oder interventionelle Therapien zu erzielen sind. Das DRG-System vergütet medizinische Leistungen in der Inneren Medizin im Vergleich zu operativen oder interventionell tätigen Fächern nicht ausreichend. Tatsächlich haben aus der Perspektive von Krankenhausökonomen die Disziplinen besondere Wertschätzung gewonnen, die hohe Bewertungsrelationen ihrer Fälle ausweisen. Abteilungen mit niedrigen Bewertungsrelationen werden unabhängig von der Qualität und vom tatsächlichen Bedarf eingeschmolzen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Investitionen in Krankenhäuser, die die Bundesländer leisten müssten, völlig unzureichend sind. Die Klinikbetreiber sind gezwungen, aus den Erlösen der Krankenkassen auch noch Gelder für Investitionen abzuschöpfen. Dies führt zu der fatalen Entwicklung, dass strategische Entscheidungen im Krankenhaus nicht am medizinischen Bedarf orientiert werden, sondern daran, wie am Ende des Jahres eine schwarze Null oder ein Gewinn generiert werden kann, der auch für Investitionen wichtig ist.

Neben der Qualität der Behandlung ist es für die Weiterbildung von allgemein tätigen Internisten und die ambulante Versorgung wichtig, dass stationäre Einrichtungen bestehen bleiben, auch an Universitätsklinika und Maximal-Versorgungskrankenhäusern. Sie können die gesamte internistische Weiterbildungszeit anbieten und werden den Voraussetzungen für Allgemeine Innere Medizin gerecht. sg

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