ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1996Hartmannbund: Nein zur Sterbehilfe

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Hartmannbund: Nein zur Sterbehilfe

EB

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LNSLNS Der Hartmannbund hat gemeinsam mit dem "Niederländischen Ärzteverband" (NAV) die Aktion "Europa gegen die Euthanasie" ins Leben gerufen. Zu viele Tabus seien bereits durch die intensive Diskussion über aktive Sterbehilfe gebrochen worden. Beide Verbände befürchten, daß auf diese Weise die Euthanasie durch die Hintertür gesellschaftsfähig wird.
"Der Arzt ist verpflichtet, Leben zu erhalten", betonte Dr. med. Hans-Jürgen Thomas, Vorsitzender des Hartmannbundes. Die Aushöhlung dieses Prinzips gefährde das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Es gelte am strikten Tötungsverbot festzuhalten. Daneben müßten Palliativmedizin und Schmerztherapie weiterentwickelt werden, um dem Patienten das Leben so lange wie möglich erträglich zu machen. Ein "Ja" zu dieser Form der humanen Sterbebegleitung bedeute aber gleichzeitig ein "Nein" zu jeder Form der Sterbehilfe.
Dr. med. K. J. Pieter Haasnoot, Vorsitzender des Niederländischen Ärzteverbandes, bedauerte das positive "Euthanasie-Klima" in den Niederlanden. Die gesetzlichen Regelungen zur aktiven Sterbehilfe seien dort bereits aus dem Ruder gelaufen. Eine ähnliche Entwicklung zeichne sich auch in Staaten wie den USA und Australien ab. Der NAV mit seinen 600 Mitgliedern, der für ein rigides Tötungsverbot eintritt, bekleide in den Niederlanden bereits eine Minderheitenposition. Dort sind einer Umfrage zufolge nur noch zwölf Prozent der Ärzte gegen Euthanasie. Dabei könne es keine objektiven Kriterien dafür geben, ob und wann ein Patient sterben soll. "Heute hat man diesen Grund zu töten, morgen hat man viele mehr", so Haasnoot. Das sei das Gefährliche an der Tendenz, bestehende Verbote zu lockern. EB
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