ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1999Macrogol bei Obstipation: Abführen ohne Elektrolytverlust

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Macrogol bei Obstipation: Abführen ohne Elektrolytverlust

Vetter, Christine

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LNSLNS Die bisherigen Therapiemöglichkeiten der Obstipation sind in ihrer Wirksamkeit und ihren Nebenwirkungen für den Patienten häufig nicht befriedigend. Eine Verbesserung der Situation bietet Macrogol 3350 (Isomol®, Schwarz Pharma). Hierbei handelt es sich um ein Präparat aus Polyethylenglykol (PEG) und Elektrolyten (Natriumchlorid und Kaliumchlorid, Natriumhydrogenkarbonat), welches bereits seit Jahren zur Darmspülung vor diagnostischen und therapeutischen Eingriffen eingesetzt wird und nun auch zur Behandlung der chronischen Obstipation sowie der Koprostase zugelassen wurde. Das Wirkprinzip
Laut Prof. Winfried Beil (Hannover) ist das Wirkprinzip von Macrogol einfach: Der hochmolekulare Wirkstoff hat eine hohe Wasserbindungskapazität, und diese Eigenschaft macht man sich therapeutisch zunutze. PEG wird in Wasser gelöst und getrunken. Dadurch wird eine definierte Wassermenge, zusammen mit Elektrolyten, in das Kolon transportiert. Dort wird der Stuhl aufgeweicht, das Stuhlgewicht erhöht und durch die Defäkation erleichtert.
Da es sich um eine isomolare, isotonische Lösung handelt, sind Elektrolytverluste, anders als bei herkömmlichen osmotisch wirksamen Laxantien, nach Beil nicht zu befürchten. Als vorteilhaft bewertet der Mediziner ferner, daß Macrogol chemisch weitgehend inert ist und nur in Spuren resorbiert wird. Es wird nicht von Bakterien zersetzt, verursacht demnach kaum Blähungen und Bauchkrämpfe, wie sie bei anderen Laxantien beschrieben werden. Erste klinische Studien belegen diese Aussage, wie Dr. Martin Fedder (Schwarz Pharma) darlegte. So konnte nach seiner Darstellung bei 39 Patienten mit chronischer Obstipation durch Macrogol eine Verdoppelung der Stuhlfrequenz erwirkt werden. Bei 115 Patienten, die erfolglos mit anderen Laxantien vorbehandelt waren, bewirkte PEG (zwei Beutel/Tag) eine signifikante Erhöhung der Stuhlfrequenz gegenüber Lactulose.
Da eine direkte Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht, läßt sich die abführende Wirkung sehr gut der individuellen Situation anpassen, so Fedder. Allgemein wird empfohlen, mit zwei bis drei Beuteln (jeweils aufgelöst in 125 ml Wasser) zu starten, damit die Verdauung wieder richtig in Gang kommt. Danach kann die Dosierung reduziert werden bis hin auf einen Beutel PEG täglich oder auch alle zwei Tage, wodurch die chronische Obstipation in aller Regel sehr gut gebessert wird. So ergab jüngst eine Anwendungsbeobachtung bei mehr als 2 000 Patienten, daß die Rate chronisch Obstipierter im Verlaufe der Zeit kontinuierlich abnimmt, was die Wirksamkeit des neuen Präparates eindrucksvoll belegt. Mit Toleranzerscheinungen ist dabei nicht zu rechnen, und die Verträglichkeit wird allgemein als sehr gut beurteilt. Übrigens wirkt Macrogol einer Studie bei 30 Patienten zufolge auch bei der Koprostase. So ließen sich durch Einnahme von acht Beuteln täglich innerhalb von drei Tagen die Kotsteine bei 83 Prozent der Patienten vollständig beseitigen, in 14 Prozent der Fälle erfolgte eine deutliche Besserung. Christine Vetter
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