ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2016Frage der Woche an . . . Prof. Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika (VUD)

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika (VUD)

Der Extremkostenbericht des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zeigt, dass die untersuchten Universitätsklinika und Maximalversorger Finanzierungslücken von durchschnittlich 3,5 Millionen Euro pro Klinikum durch Extremkostenfälle haben. Was bedeutet dieses Ergebnis?

Dtsch Arztebl 2016; 113(18): [4]

Glöser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Der Extremkostenbericht des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zeigt, dass die untersuchten Universitätsklinika und Maximalversorger Finanzierungslücken von durchschnittlich 3,5 Millionen Euro pro Klinikum durch Extremkostenfälle haben. Was bedeutet dieses Ergebnis?

Albrecht: Die Finanzierungslücken von knapp 100 Millionen Euro allein im Jahr 2015 sind entstanden, weil die Uniklinika und andere Maximalversorger im Bereich der Extremkostenfälle schlechter finanziert werden als kleinere Krankenhäuser.

Von Extremkosten spricht man, wenn die Behandlungskosten weit über dem liegen, was die Kliniken an Erlösen von den Krankenkassen erhalten. Während Universitätsklinika also überproportional viele Fälle behandeln, die sie mehr Geld kosten, als sie dafür bekommen, haben andere Krankenhäuser überdurchschnittlich viele überfinanzierte Fälle. Davon betroffen ist das gesamte Spektrum medizinischer Leistungen.

Anzeige

Uniklinika haben hoch qualifiziertes Personal, verfügen über modernste Diagnosegeräte, Therapieverfahren und besondere Kompetenz in der medizinischen Forschung. Im Vergleich behandeln sie dadurch mehr Patienten mit ungewöhnlichen oder besonders schweren Krankheitsverläufen sowie mehr Patienten, die zusätzlich Begleiterkrankungen haben. Die Verweildauer in der Klinik liegt weit über dem Durchschnitt. Diese Versorgung bedeutet in der Regel enorme diagnostische und therapeutische Anforderungen. Gleiches gilt für die Infrastruktur, der Vorhalteaufwand ist hoch. Denn diese Maximalversorgung steht jedem Patienten unabhängig von den Behandlungskosten zur Verfügung. Das Entgeltsystem trägt diesen leistungs-und strukturbedingten Kostenunterschieden nicht ausreichend Rechnung. Denn die DRG-Fallpauschalen, die auf einer Mittelwertkalkulation beruhen, bilden diese Zusatzkosten nicht ausreichend ab.

Der jetzt erschienene Extremkostenbericht zeigt, dass sich für die Uniklinika auch im Jahr 2015 nicht viel geändert hat, auch wenn es dem InEK gelungen ist, die Abbildung besonders aufwändiger und teurer Fälle im Fallpauschalen-Katalog zu verbessern. Es bleibt beim Ungleichgewicht in der Vergütung der unterschiedlichen Krankenhausgruppen.

Aus Sicht der Deutschen Hochschulmedizin muss die Finanzierung der Extremkosten überdacht werden. Das Krankenhausstrukturgesetz hat dieses Problem leider gar nicht erst aufgegriffen. Ein „weiter so“ ist für uns aber keine Option mehr. Wir brauchen ein Konzept, das die ungleiche Vergütung im Fallpauschalen-System beseitigt und uns hilft, die Finanzierungslücken zu schließen. sg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.