ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2016Medizinische Fachangestellte: Einigung auf neue Tarifverträge

POLITIK

Medizinische Fachangestellte: Einigung auf neue Tarifverträge

Dtsch Arztebl 2016; 113(18): A-856

Gerst, Thomas

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Neben der Erhöhung der Gehälter um 2,5 Prozent wird es eine Neuausrichtung bei der betrieblichen Altersversorgung geben.

Einvernehmen zwischen den Tarifpartnern: Die betriebliche Altersversorgung wird weiter ausgebaut. Foto: picture alliance
Einvernehmen zwischen den Tarifpartnern: Die betriebliche Altersversorgung wird weiter ausgebaut. Foto: picture alliance

Rückwirkend zum 1. April 2016 erhöhen sich die Tarifgehälter der Medizinischen Fachangestellten (MFA) um 2,5 Prozent. Darauf verständigten sich am 13. April in der zweiten Verhandlungsrunde die Tarifpartner Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) und der Verband medizinischer Fachberufe.*

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Die Tarifgehälter beginnen somit in den ersten vier Berufsjahren in der Tätigkeitsgruppe I bei 1 725,22 Euro. Auf diese Grundvergütungen gibt es für die höheren fünf Tätigkeitsgruppen prozentuale Aufschläge. Diese betragen – je nach Qualifikation – 7,5 Prozent, 12,5 Prozent, 20 Prozent, 30 Prozent und 50 Prozent. Um 30 Euro steigen die monatlichen Ausbildungsvergütungen in allen drei Ausbildungsjahren und betragen somit ebenfalls rückwirkend zum 1. April im ersten Ausbildungsjahr 730 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 770 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 820 Euro. Der Gehaltstarifvertrag hat eine Laufzeit von zwölf Monaten, also bis zum 31. März 2017. Dann endet auch der redaktionell überarbeitete Manteltarifvertrag.

Die Verhandlungsführerin der Arbeitgeberseite, Dr. med. Cornelia Goesmann, sieht in dem Tarifabschluss eine angemessene Umsetzung der zu erwartenden Zuwächse beim ärztlichen Honorarvolumen für 2016. Auch Carmen Gandila, Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe, zeigte sich mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden. Grundsätzlich würden aber die Leistungen der MFA im niedergelassenen Bereich noch zu gering vergütet. Um den Beruf der Medizinischen Fachangestellten auch in Zeiten des Fachkräftemangels weiterhin attraktiv zu gestalten, sei es wichtig gewesen, die Ausbildungsvergütungen zu erhöhen.

Gleichzeitig gab es Änderungen beim Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeberzuschuss wird ab dem 1. April um monatlich zehn Euro für Vollzeitkräfte und Teilzeitkräfte mit 18 Wochenstunden und mehr auf 76 Euro erhöht. Für Auszubildende und Teilzeitkräfte mit weniger als 18 Wochenstunden erhöht sich der Arbeitgeberzuschuss um fünf Euro pro Monat auf 53 Euro beziehungsweise 43 Euro.

Neuausrichtung der betrieblichen Altersversorgung

Wichtig zudem: Die tarifliche betriebliche Altersversorgung wird neu ausgerichtet. Neben dem bisherigen Durchführungsweg der Pensionskasse wird mit der Direktversicherung eine zusätzliche Variante möglich. Die Altersversorgung wird so an Entwicklungen angepasst, die auf dem Kapital- und Lebensversicherungsmarkt seit einigen Jahren stattfinden. Hierauf abgestimmt ist mit der Deutschen Ärzteversicherung, der AXA und der Apotheker- und Ärztebank die Produktpalette der „GesundheitsRente“ neu gestaltet worden. Die „GesundheitsRente“ wurde bei Einführung des Tarifvertrags zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung im Jahr 2002 in Abstimmung mit den Tarifparteien entwickelt. Steuer- und sozialversicherungsrechtlich sind die beiden Durchführungswege gleichgestellt. Bisher wurden rund 24 000 „GesundheitsRente“-Verträge abgeschlossen. Der Altersversorgungstarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2019. Für die AAA bedeutet die betriebliche Altersversorgung einen sozialpolitisch bemerkenswerten Beitrag zur Verhinderung von Altersarmut; dieses Instrument sollte in den Arztpraxen noch stärker genutzt werden.

Tarifpartner für die ärztlichen Arbeitgeber

Die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) ist die Tarifpartei der ärztlichen Arbeitgeber; ihre Mitglieder sind ausschließlich niedergelassene Ärzte, die gleichzeitig Medizinische Fachangestellte (MFA) beschäftigen. Einziger Zweck der AG ist der Abschluss von Tarifverträgen für das Praxispersonal.

Eine Tarifbindung aller MFA und Ärzte an die Abschlüsse der AAA ist nicht gegeben, vielmehr gelten hier die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen des Tarifvertragsgesetzes. Die Tarifverträge gelten unmittelbar zwingend nur für Mitglieder der vertragsschließenden Organisationen, das heißt, wenn der ärztliche Arbeitgeber AAA-Mitglied und die MFA zugleich als Mitglied im Verband medizinischer Fachberufe organisiert ist. Zudem finden die Tarifverträge dann Anwendung, wenn sie ausdrücklich im Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart worden sind. Darüber hinaus ist es unbenommen, auch Arbeitsverträge abzuschließen, die über der Norm der vorliegenden Tarifverträge liegen.

Thomas Gerst

*siehe den Wortlaut des Gehalts- und Manteltarifvertrags sowie des Tarifvertrags zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung unter den Bekanntgaben in diesem Heft, Seite 889ff.

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