ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2016Gesundheitsbranche: Motor für die deutsche Wirtschaft

WIRTSCHAFT

Gesundheitsbranche: Motor für die deutsche Wirtschaft

Dtsch Arztebl 2016; 113(18): A-884 / B-748 / C-734

Sogorski, Lara

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Mit einem jährlichen Plus von 3,5 Prozent übertrifft der Gesundheitsmarkt regelmäßig das Wachstum der Gesamtwirtschaft. Wie sich diese Entwicklung in Ost- und Westdeutschland im Einzelnen verhält, zeigt jetzt eine Studie des BMWi.

Jeder sechste Arbeitsplatz gehört im Osten zum Bereich der Gesundheitswirtschaft. Foto: picture alliance
Jeder sechste Arbeitsplatz gehört im Osten zum Bereich der Gesundheitswirtschaft. Foto: picture alliance

Die Innovationskraft und hohe Beschäftigungsdichte hat die Gesundheitsbranche zu einem der wichtigsten Wachstums- und Beschäftigungsmotoren für die deutsche Wirtschaft gemacht – wie Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums belegen. Mit 6,8 Millionen Menschen erwirtschaftet der Sektor derzeit 324 Milliarden Euro und damit rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Plus von 3,5 Prozent in den Jahren 2004 bis 2014 übertraf die Branche sogar das Wachstum der Gesamtwirtschaft des Landes in dieser Zeit.

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Besonders in den neuen Bundesländern spielt die Gesundheitswirtschaft eine wichtige Rolle – vor allem für den Arbeitsmarkt. So ist jeder Sechste im Osten im Kernbereich oder erweiterten Bereich der Gesundheitswirtschaft tätig – etwa 16,8 Prozent aller Arbeitsplätze werden hier laut der jüngsten Studie des BMWi zum Vergleich des Marktes in Ost- und Westdeutschland durch die Gesundheitsbranche gestellt. Knapp die Hälfte der ostdeutschen Beschäftigten befindet sich dabei in Berlin und Sachsen. Dagegen beträgt der Anteil der Mitarbeiter im Gesundheitsbereich an allen Stellen im Westen 15,6 Prozent.

Hohe Wertschöpfung

Ganz ähnlich gestaltet sich die Bruttowertschöpfung der Branche: Knapp zwei Drittel werden im Westen von NRW, Bayern und Baden-Württemberg generiert, während Berlin und Sachsen im Osten gemeinsam mehr als 50 Prozent erwirtschaften. Zum Hintergrund: Die Bruttowertschöpfung ergibt sich aus dem Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Güter (Produktionswert) abzüglich der hierzu verwendeten Vorleistungen. Insgesamt ist die Bruttowertschöpfung im Gesundheitsbereich von 2004 bis 2014 um 90 Milliarden Euro angestiegen, 74,6 Milliarden kamen davon aus dem Westen und 15,4 Milliarden Euro aus dem Osten. Für das Jahr 2014 liegt dem eine Wertschöpfung je Einwohner von 3 974 Euro im Westen und 3 317 Euro in Ostdeutschland zugrunde. Am geringsten war die Wertschöpfung je Einwohner zu diesem Zeitpunkt in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, am höchsten in Hamburg und Bremen.

Allerdings: Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft ist der Beitrag der Gesundheitswirtschaft im Osten größer (2014: 13,5 Prozent) als im Westen (11,7 Prozent).

Positive Exportentwicklung

Strukturell lässt sich die industrielle sowie die dienstleistungsorientierte Gesundheitswirtschaft unterscheiden. Erstere umfasst die Produktion etwa von Humanarzneimitteln, Zahnpflegeprodukten oder Sportwaren sowie Vertrieb und Großhandel. Im Dienstleistungsbereich geht es etwa um Tätigkeiten in stationären und nichtstationären Einrichtungen, aber im erweiterten Sinne auch um Services rund um Lebensmittel, Wellness, Ausbildungen und Ingenieursdiensten zum Bau von Gesundheitseinrichtungen. Grundsätzlich konnten beide Strukturbereiche zuletzt in Ost- und Westdeutschland ein deutliches Wachstum verzeichnen. Wobei die industrielle Gesundheitswirtschaft im Westen stärker wuchs als im Osten, während der dienstleistungsorientierte Bereich im Osten den größeren Zuwachs verzeichnete.

Die positive Entwicklung gilt auch für die Exporte – hier geht es um pharmazeutische Grundstoffe und Erzeugnisse und medizinische Geräte. Sowohl im Westen als auch im Osten konnten die Ausfuhren seit 2008 bis 2014 zulegen. Bei einem absoluten Wachstum von 21 Milliarden Euro stiegen sie im Westen in diesem Zeitraum um das 1,5-fache an. Genauso im Osten, auch wenn mit 2,6 Milliarden Euro auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Gemessen an der Gesamtwirtschaft machten die Exporte im Westen zuletzt einen Anteil von 7,6 Prozent aus, im Osten lag dieser Wert mit 8,5 Prozent leicht darüber.

Lara Sogorski

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