ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2016Metastasiertes Prostatakarzinom: Radium-223 wirkt lebensverlängernd

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Metastasiertes Prostatakarzinom: Radium-223 wirkt lebensverlängernd

Dtsch Arztebl 2016; 113(18): A-886

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Therapie von Patienten mit Knochenmetastasen mit dem Radiopharmakon verzögert das Auftreten von Symptomen am Skelett sowie Schmerzen und Frakturen.

Die Fünfjahresüberlebensrate von Patienten mit Prostatakarzinom ist mit 93 % hoch, dennoch sterben jährlich circa 13 000 Männer an dem Tumor (1). Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) haben zu 90 % Knochenmetastasen, erläuterte Priv.-Doz. Dr. med. Frank König, niedergelassener Urologe in Berlin. Knochenschmerzen, Hyperkalzämie, pathologische Fraktur oder Rückenmarkskompression sind Ereignisse, die häufig den Krankheitsverlauf komplizieren und mit einer schlechten Prognose assoziiert sind.

Für die Behandlung von Patienten mit symptomatischer, ausschließlich ossärer Metastasierung ist Radium-223-Dichlorid zugelassen. Radium-223 ist chemisch mit Kalzium verwandt. Es wird vor allem in der Mikroumgebung von Metastasen anstelle von Kalzium in den Knochen eingebaut und setzt Alphastrahlung frei. Aufgrund der geringen Eindringtiefe von 2 bis 10 Zelldurchmessern wird das gesunde Gewebe geschont. Schwere Myelosuppressionen treten daher selten als Folge der Therapie auf.

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„Es ist sinnvoll, nicht zu lange zu warten, bis mit einer Radium-223-Dichlorid-Behandlung begonnen wird“, sagte König. Ab einer Anzahl von 3 bis 5 Metastasen etwa sei der Beginn einer Therapie mit dem Radionuklid sinnvoll. Werde gewartet bis zu einem Superscan, seien die gewünschten Effekte schwer zu erzielen. Die Patienten nähmen Knochenschmerzen und die damit verbundene tägliche Einnahme von Schmerzmitteln häufig als gegeben hin, das Radiopharmakon aber könne das Auftreten skelettaler Ereignisse verzögern, die Schmerzkontrolle verbessern, lebensverlängernd wirken und die Lebensqualität erhalten. Basis für die Zulassung war die internationale ALSYMPCA-Studie. In der Phase-3-Untersuchung wurden 921 mCRCP-Patienten (Durchschnittsalter 71 Jahre) mit mindestens zwei symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte ZNS- oder Viszeralmetastasen 2:1 randomisiert in eine Gruppe, die sechs Injektionen Radium-223-Dichlorid i.v. erhielt (Xofigo®; je 50 kBq/kg alle vier Wochen) plus „best supportive care“ oder Placebo plus „best supportive care“ (2).

Radium-223 mit Enzalutamid und Abirateron kombinierbar

Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS), sekundäre die Zeit bis zum ersten symptomatischen Skelettereignis und knochenbezogene Laborparameter. Unter Radium-223-dichlorid war das mediane OS signifikant gegenüber Placebo erhöht: auf 14,9 Monate versus 11,3 Monate unter Placebo (Hazard Ratio: 0,70; p < 0,001). Außerdem war der Zeitraum bis zum ersten skelettbezogenen Ereignis deutlich länger im Vergleich zu Placebo (15,6 versus vs. 9,8 Monate; p = 0,001). Auch die sekundären Endpunkte ergaben einen Vorteil für Radium-223-Dichlorid. Die Therapie verbinde eine Verlängerung des Gesamtüberlebens mit der Symptomkontrolle und sei im Langzeitverlauf sicher, so König. Diese Ergebnisse seien durch aktuelle Daten der offenen prospektiven Phase-3b-Studie eines internationalen Early Access Programms (EAP) mit 839 mCRPC-Patienten bestätigt worden (3). Das Therapieschema für Radium-223-Dichlorid entsprach dem der ALSYMPCA-Studie. „In der EAP-Studie betrug das mediane Gesamtüberleben 16 Monate und war damit dem in ALSYMPCA vergleichbar, erläuterte König. Auch das Sicherheitsprofil sei ähnlich günstig gewesen.

Außerdem weisen Daten der internationalen EAP-Studie daraufhin, dass sich das Gesamtüberleben zusätzlich verlängert, wenn Patienten parallel zu Radium-223-Dichlorid Enzalutamid oder Abirateron erhielten (4). Vor allem Patienten mit niedriger Metastasenlast profitierten von Radium-223. An der prospektiven EAP-Studie haben Patienten mit mindestens zwei Knochenmetastasen teilgenommen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Quelle: Praxiserfahrungen Onkologie: Presseabend zum 32. Deutschen Krebskongress in Berlin, Veranstalter: Bayer AG

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1816
oder über QR-Code.

1.
Krebs in Deutschland 2011/2012. Robert- Koch-Institut, Berlin 2015.
2.
Parker C, et al.: Alpha emitter radium-223 and survival in metastatic prostate cancer. N Engl J Med 2013; 369: 213–23 CrossRef MEDLINE
3.
Saad F, et al.: Radium-223 in an international early access program (EAP): Effects of concomitant medication on overall survival in metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRCP) patients. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl); abstr 5034
4.
O’Sullivan J, et al.: Effects of concomitant use of abiraterone and/or enzalutamide with radium-223 on safety and overall survival in metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRPC) patients treated in an international early access program (EAP).
J Clin Oncol 2015; 51: S497–8 CrossRef
1.Krebs in Deutschland 2011/2012. Robert- Koch-Institut, Berlin 2015.
2.Parker C, et al.: Alpha emitter radium-223 and survival in metastatic prostate cancer. N Engl J Med 2013; 369: 213–23 CrossRef MEDLINE
3. Saad F, et al.: Radium-223 in an international early access program (EAP): Effects of concomitant medication on overall survival in metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRCP) patients. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl); abstr 5034
4.O’Sullivan J, et al.: Effects of concomitant use of abiraterone and/or enzalutamide with radium-223 on safety and overall survival in metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRPC) patients treated in an international early access program (EAP).
J Clin Oncol 2015; 51: S497–8 CrossRef

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