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ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1999Private Kran­ken­ver­siche­rung: Ablenkungsmanöver

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Ablenkungsmanöver

Hess, Renate

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LNSLNS Der jüngste Rechenschaftsbericht des Verbandes der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen (PKV) für 1998 wird dazu benutzt, gebetsmühlenartig über den starken Ausgabenanstieg zu lamentieren. Geübt, auf dieser Klaviatur zu spielen, werden erneut die Ärzte wegen vermeintlich hoher Steigerungsraten, vor allem für ambulante Heilbehandlung, angeprangert. Mit der Klage über die steigenden Behandlungskosten wird den Ärzten zugleich vorgeworfen, sie würden "Verluste" aus dem GKV-Bereich über die private Kran­ken­ver­siche­rung kompensieren. Dies ist die Begleitmusik für die Gesundheitsreform und die darin vorgesehene Senkung der Arzthonorare in der GOÄ für "Standardtarifversicherte". Die PKV lobt denn auch den Ausbau des Standardtarifs über den grünen Klee. Dagegen wird der versicherungstechnische Weg zur Milderung der Beitragsbelastungen älterer Privatversicherter - wie der zehnprozentige Beitragszuschlag - als "völlig abwegig" abgelehnt. Hausgemachte Probleme, wie die unzureichenden Alterungsrückstellungen für in der PKV verbleibende Versicherte, sind durch verursachergerechte Maßnahmen der Versicherungen, das heißt durch Aufstockung der Alterungsrückstellungen, zu lösen, und nicht auf dem Rücken der Ärzte. Es scheint in Mode, daß die Kostenträger die Ärzte zur Zielscheibe der Kritik machen wollen. Damit lenken sie von ihren eigenen Problemen ab.
Regelmäßig ausgespart werden in Verlautbarungen nämlich die Abschluß- und Verwaltungskosten. Immerhin gibt die PKV jährlich rund 4,8 Milliarden DM für Abschlußprovisionen, Verwaltungskosten, Werbung und für die Umstellung von Versicherungsverträgen aus. Für die gesamte ambulante privatärztliche Behandlung wurden im vergangenen Jahr rund 5,6 Milliarden DM aufgewandt. Hier können doch die Relationen nicht mehr stimmen. Mit dem an die Ärzteschaft gerichteten Vorwurf der Kostentreiberei kann nicht davon abgelenkt werden, daß die Assekuranz ein erfolgreiches Geschäftsjahr hatte: ein um netto 140 300 Versicherte gewachsener Bestand; um 4,6 Prozent auf 33,5 Millarden DM gestiegene Prämieneinnahmen; ein gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte gesunkener Ausgabenanstieg von - bestandsbereinigt - 2,6 Prozent. Der Ausgabenanstieg der PKV liegt mithin fast gleichauf mit demjenigen der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (je Versicherten) - und dies, obwohl die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind: Es gibt kaum Wirtschaftlichkeitsprüfungen; die Leistungszusage der PKV im immer noch dominierenden Vollkostentarif ist unbegrenzt. Die PKV hat also keinen Grund zur Klage. Ehe die Amtliche Gebührenordnung erneut zur Stärkung der PKV mißbraucht wird, müßten die 4,8 Milliarden DM Verwaltungs- und Abschlußkosten auf den Prüfstand. Renate Hess, BÄK
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