ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2016Psychotherapeutische Versorgung: „Sehr detaillierte Anweisungen“

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Psychotherapeutische Versorgung: „Sehr detaillierte Anweisungen“

PP 15, Ausgabe Mai 2016, Seite 204

Bühring, Petra

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Die Reform der psychotherapeutischen Versorgung schreitet voran. Die Psychotherapie-Richtlinie scheint pünktlich fertig zu werden. Bei einer Veranstaltung wurden Differenzen zwischen Krankenkassen und Psychotherapeuten deutlich.

Die ambulante psychotherapeutische Versorgung wird reformiert. Denn die Bedeutung psychischer Erkrankungen nimmt zu. Betroffene müssen aber häufig drei Monate und länger auf einen Ersttermin bei einem Psychotherapeuten warten. Der Gesetzgeber hat die Reform bereits mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz in die Wege geleitet und den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) beauftragt, bis zum 30. Juni die Psychotherapie-Richtlinie entsprechend zu überarbeiten. Im Mittelpunkt dieser Reform steht die Einrichtung einer Psychotherapeutischen Sprechstunde zur schnellen diagnostischen Abklärung und um Patienten auch akut versorgen zu können. Das Antrags- und Gutachterverfahren soll überprüft werden. Die Kurzzeittherapie und die Gruppenpsychotherapie sollen gefördert werden.

Korrektur der Bedarfsplanung

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Bei einer Veranstaltung des Bundesverbands Managed Care e.V. am 13. April in Berlin wurden die zum Teil recht unterschiedlichen Positionen zwischen Psychotherapeuten und Psychiatern auf der einen Seite und den Krankenkassen auf der anderen Seite deutlich. Dabei zeigte sich der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), Dr. rer. nat. Dipl-Psych. Dietrich Munz, „optimistisch, dass der G-BA die Psychotherapie-Richtlinie bis Ende Juni fertig stellen wird“. Das Stellungnahmeverfahren – Bundes­ärzte­kammer und BPtK sind aufgefordert – sei gerade eingeleitet worden.

Munz wies noch einmal auf die Punkte hin, die über die Richtlinie hinausgehen, aber für eine Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung erforderlich sind und vom Gesetzgeber auch eingefordert werden: mehr Transparenz und Vernetzung der Versorgungsangebote, eine Korrektur der Defizite in der Bedarfsplanung „für Psychotherapeuten, aber auch für Psychiater und Nervenärzte“, stellte Munz klar. Außerdem neue Befugnisse für Psychologische Psychotherapeuten, wie stationäre Einweisungen und Verordnung von Heilmitteln, Ergotherapie und Soziotherapie. Eine Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung mittels „Home Treatment“ für schwer psychisch Kranke hält der BPtK-Präsident indes für „keine gute Lösung“.

„Der Gesetzgeber hat uns sehr detaillierte Anweisungen gegeben, das war fast schon übergriffig“, sagte der Vertreter des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Thomas Uhlemann. Eine psychotherapeutische Sprechstunde und eine Stärkung der Gruppenpsychotherapie sei natürlich auch im Sinne der Krankenkassen. „Bei der Kurzzeitpsychotherapie wollen wir von der Antrags- und Gutachterpflicht absehen“, berichtete er. Diese stellen sich die Kassen künftig „akzentuierter“ vor: Nach maximal sechs Stunden Sprechstunde oder Probatorik sollen zwölf Stunden Richtlinien-Psychotherapie zur Akutversorgung angeboten werden und bei Bedarf dann noch einmal maximal zwölf Stunden – für alle Verfahren. Daran soll sich, wenn nötig, eine Langzeitpsychotherapie anschließen können, der dann ein Gutachterverfahren vorgeschaltet ist.

„Nach unserer Ansicht müssen Patienten direkt Anspruch auf 25 Stunden Kurzzeittherapie haben“, betonte Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV). Die nochmalige Aufteilung sei „sinnfrei“ und bedeute zusätzliche Unsicherheit für die Patienten und mehr bürokratischen Aufwand für die Therapeuten. „Die Indikationsstellung für Verfahren und Behandlungsumfang muss in den Händen der Psychotherapeuten bleiben“, forderte Lubisch. „Und grundsätzlich wünschen wir uns die Krankenkassen als Partner und nicht als Alleinentwickler von Konzepten, die uns betreffen“, kritisierte die DPtV-Vorsitzende.

Mehr Flexibilität

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Dr. med. Iris Hauth, wies auf die Bedeutung der koordinierten Versorgung „zwischen Soma und Psyche“ hin. Die Hilfebedarfe für psychisch Kranke seien sehr unterschiedlich und nicht allein mit der Richtlinien-Psychotherapie zu behandeln. „Wir brauchen mehr Flexibilität und wir brauchen multimodale Therapie als state-of-the-art. Außerdem müssen Kombinationsbehandlungen (psychotherapeutisch und medikamentös) auch ambulant möglich sein können, nicht nur stationär“, forderte Hauth.

Möglich sei dies mit einer koordinierten und strukturierten Versorgung verschiedener Fachgruppen. „Das haben wir aber leider immer noch nicht hinbekommen“, sagte die DGPPN-Präsidentin. Abgesehen von einigen kleinen Projekten, wie beispielsweise dem Projekt zur Versorgung von neurologischen und psychiatrischen Patienten (NPV) in Nordrhein, sei bisher wenig in der Regelversorgung angekommen.

Die BPtK, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben zur Reform der psychotherapeutischen Versorgung bereits jeweils differenzierte Versorgungskonzepte vorgelegt.

Petra Bühring

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