ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2016Frage der Woche an . . . Dr. rer. nat. Cord Schlötelburg, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. rer. nat. Cord Schlötelburg, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE

Dem „Expertenbericht Biomedizinische Technik“ zufolge liegt das größte Innovationspotenzial für die Patientenversorgung in Deutschland in modernen OP-Verfahren, konsequenter Digitalisierung und High-Tech-Implantaten. Sie fordern, den technologischen Fortschritt schneller für die Patienten nutzbar zu machen. Haben Sie konkrete Vorschläge?

Dtsch Arztebl 2016; 113(19): [4]

Glöser, Sabine

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Dem „Expertenbericht Biomedizinische Technik“ zufolge liegt das größte Innovationspotenzial für die Patientenversorgung in Deutschland in modernen OP-Verfahren, konsequenter Digitalisierung und High-Tech-Implantaten. Sie fordern, den technologischen Fortschritt schneller für die Patienten nutzbar zu machen. Haben Sie konkrete Vorschläge?

Schlötelburg: Die Überführung von Innovationen in die klinische Praxis erweist sich leider allzu oft als unüberwindbare Hürde. Vor allem die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass technologische Fortschritte schneller für die Patienten zugänglich werden. Aber auch die Verbände, Fachgesellschaften und Hochschulen müssen ihren Teil beitragen. So müssen Ausbildungsgänge und wissenschaftliche oder berufliche Anreizsysteme besser aufeinander abgestimmt werden.

Zum Teil sind die Anforderungen in den einzelnen Innovationsfeldern unterschiedlich gelagert. Auf dem Gebiet der operativen Intervention gibt es noch einen erheblichen Forschungs- und Entwicklungsbedarf bei der exakten intraoperativen Differenzierung von pathologischem Gewebe. Aus gerätetechnischer Sicht fehlt die Möglichkeit unterschiedlichste Medizingeräte in OP und Intensivmedizin flexibel und sicher zu vernetzen. Hier gilt es, eine interdisziplinäre und vollständig vernetzte „Eingriffsumgebung“ für effektive und sichere operative Eingriffe zu schaffen.

Mit Blick auf das Zusammenwachsen von Medizintechnik und IT gibt es zu allen Fragen der Leistungsfähigkeit und der technischen Umsetzung des medizinischen Monitorings einen stetigen Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Ein zentrales Thema ist „Big Data“, also die Nutzung erzeugter Patientendaten in immer größerem Umfang. Hier müssen der Anspruch der Patienten, der medizinische Nutzen und die technische Machbarkeit sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Bei innovativen Implantaten heißen die Herausforderungen: weitere Verkleinerung, Bioverträglichkeit, Langzeitstabilität, Datenanbindung und Implantatvernetzung, Wirkstoffabgabe oder kathetergestützte Applikationsverfahren. Allerdings erfordern innovative Implantate immer auch eine möglichst minimal-invasive Methode der Implantation. Um ihr therapeutisches Potenzial vollständig zu erschließen, sind erhebliche Forschungs- und Translationsanstrengungen erforderlich.

Generell sollten sich alle Entscheidungen immer an einem übergeordneten Ziel orientieren: die Verbesserung der medizinischen Versorgung durch sichere und medizinisch sinnvolle Medizintechnik. Dazu bedarf es eines konstruktiven Dialogs aller Beteiligten. sg

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