ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2016Krankenhäuser: Mangel an Pflegekräften
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In dem Artikel werden interessante Aspekte des Klinikmanagements dargestellt. Im letzten Absatz werden jedoch Dinge ausgesprochen, die so niemals kommentarlos in einer ärztlichen Zeitung hätten publiziert werden dürfen. Die Aussage des Mitglieds der Geschäftsführung der Helios Kliniken, Jörg Reschke, dass gute IT-Strukturen wichtiger seien als ausreichendes Pflegepersonal, ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht aller Pflegekräfte, sondern scheint Ausdruck einer gravierenden Unwissenheit bei Entscheidern privater Klinikketten zu sein. Das Hauptproblem in der modernen, technisch hoch entwickelten stationären Medizin liegt nicht in den Abläufen, diese klappen im Großen und Ganzen relativ gut, sondern im Mangel an Zuwendung durch Pflegekräfte, der wiederum die Folge einer knappen Besetzung ist. Jedem dürfte klar sein, dass gerade im Pflegebereich Redundanzen erforderlich sind.

Ich selbst musste vor einem Jahr als Patient mehrere Wochen auf einer ITS des Leipziger Herzzentrums verbringen, das bekanntermaßen zum Helios-Konzern gehört. Die dort geleistete Arbeit war ganz hervorragend, auch die Abläufe waren gut organisiert. Das einzige, was ich für unzumutbar hielt, war der Personalschlüssel, der einer ITS-Pflegekraft zwei Patienten zuordnet. Dies führte zu extrem hohen physischen und psychischen Belastungen für das Pflegepersonal. Es wäre naiv und weltfremd anzunehmen, dass eine gute IT-Ausstattung diese Überlastung ausgleichen würde. Bekanntermaßen können Computer bisher weder hundert Kilogramm schwere Patienten bewegen noch sind sie in der Lage, die Ente, den Schieber oder die Schnabeltasse zu reichen.

Prof. Dr. med. habil. Jens Oeken, Chefarzt der Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Klinikum Chemnitz gGmbH, 09116 Chemnitz

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