ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2016GOÄ-Ratgeber: Abrechnung von BNP beziehungsweise NT-proBNP

PRIVATABRECHNUNG

GOÄ-Ratgeber: Abrechnung von BNP beziehungsweise NT-proBNP

Dtsch Arztebl 2016; 113(19): A-948 / B-800 / C-784

Wetzel, Hermann

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Das (biologisch aktive) B-Typ-Natriuretische Peptid (BNP) und das (inaktive) N-terminale Fragment der Proform (NT-proBNP) werden von Herzmuskelzellen bei hämodynamischer Belastung bzw. erhöhtem Füllungsdruck im linken Ventrikel zu gleichen Teilen vermehrt freigesetzt. Beide gelten als diagnostisch gleichwertige quantitative Herzinsuffizienz-Marker; ihre Bestimmung kann – mit hohem negativem Vorhersagewert – zum Ausschluss bzw. zur Diagnosestellung einer Herzinsuffizienz sowie zu deren Schweregradeinteilung, Verlaufskontrolle oder Prognose dienen.

Wie veraltet die derzeit geltende GOÄ ist, mag daraus ersichtlich werden, dass für einen so wichtigen und seit 15 Jahren etablierten Laborparameter wie BNP bzw. NT-proBNP unter den Laboratoriumsuntersuchungen des Kapitels M im Teilabschnitt „Hormone und ihre Metabolite, biogene Amine, Rezeptoren“ keine eigene Gebührenposition existiert. Die Berechnung sollte bei quantitativer BNP- bzw. NT-proBNP-Bestimmung mittels eines signal- bzw. tracerverstärkten Immunoassays (z.B. Elektrochemilumineszenz-Immunoassay) nach Nr. 4062 GOÄ (480 Punkte) erfolgen, weil die im zugehörigen Katalog gelisteten Hormonbestimmungen in der technischen Durchführung, im Schwierigkeitsgrad, im Zeitaufwand und in den Kosten vergleichbar erscheinen. In der zugehörigen Rubrik sind auch andere Peptidhormone wie z.B. das Vasopressin aufgeführt (siehe zu dieser Einordnung auch den GOÄ-Kommentar von Brück et al., Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2015).

Für BNP bzw. NT-proBNP sind im Rahmen des „Point of Care Testing“ (POCT) zur raschen Bestimmung in der Praxis oder Ambulanz auch apparativ-quantitative Schnelltests mittels Immunchromatographie bzw. optischem Immunoassay verfügbar. Aufgrund des Preises der Teststreifen handelt es sich um relativ kostenträchtige Verfahren; daher wird hier ebenso eine Abrechnung analog Nr. 4062 GOÄ empfohlen. In dieser Gebühr sind die Kostenanteile für das automatisierte Testsystem und die Teststreifen bereits berücksichtigt; eine separate Berechnung dieser Kostenfaktoren ist nicht möglich. Zur Abrechnung der BNP- bzw. NT-proBNP-Schnelltests wird damit zwar auf eine Gebührenposition aus dem Teilabschnitt M III „Speziallabor“ zurückgegriffen, doch können diese Schnelltests auch durch Nicht-Laborfachärzte oder Ärzte ohne Zusatzweiterbildung in fachgebundener Labordiagnostik in Rechnung gestellt werden.

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Für beide Abrechnungsempfehlungen würde vor dem Hintergrund aktueller betriebswirtschaftlicher Bewertungsgrundlagen eine Gebührenminderung gemäß der Zwei-Drittel-Regelung – wie sonst bei Einfachbestimmungen für Laborparameter, bei denen in der Leistungslegende der Gebührenposition eine Doppelbestimmung aufgeführt wird – nicht greifen. Die Gebühr gemäß Nr. 4062 GOÄ kann folglich sowohl für die Routineleistung als auch für den Schnelltest in voller Höhe abgerechnet werden. Dr.med. Hermann Wetzel, M.Sc.

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