PERSONALIEN

Peter Propping †: Klug, unprätentiös und hoch angesehen

Dtsch Arztebl 2016; 113(19): A-943 / B-797 / C-781

Nöthen, Markus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Peter Propping, Foto: Institut für Humangenetik, Uni Bonn
Peter Propping, Foto: Institut für Humangenetik, Uni Bonn

Mit Prof. Dr. med. Peter Propping ist am 26. April einer der bekanntesten Humangenetiker Deutschlands im Alter von 73 Jahren verstorben. Der 1942 in Berlin geborene Propping war mit seinem Ansatz zunächst Außenseiter in der Humangenetik: Seit seiner Assistentenzeit bei Friedrich Vogel in Heidelberg beschäftigte er sich mit der genetischen Erforschung psychiatrischer Erkrankungen. Angesichts der multifaktoriellen Verursachung und der Menge beteiligter Gene galt dies Vielen als hoffnungslos. Tatsächlich kam die Erforschung der genetischen Grundlagen psychiatrischer Krankheiten zunächst kaum voran. Das war einer der Gründe, warum Propping dem Bonner Institut für Humangenetik, das er seit 1984 leitete, mit den genetisch zugänglicheren erblichen Darmkrebserkrankungen ein weiteres, klinisch höchst relevantes Gebiet erschloss. Für den häufigen erblichen Darmkrebs ohne Polyposis leistete Propping mit dem von ihm initiierten und von der Krebshilfe geförderten Verbundprojekt „Familiärer Darmkrebs“ Pionierarbeit. In einem interdisziplinären Konzept gelang es, Standards für die humangenetische Familienberatung, molekulargenetische Diagnostik und risikoadaptierte Früherkennung zu etablieren.

In den letzten Jahren zeigten sich dann auch die erhofften Durchbrüche bei den psychiatrischen Krankheiten. Dass wichtige Beiträge dazu aus Deutschland kommen, ist entscheidend Proppings Verdienst. Er hat die vom BMBF geförderten Programme zum Humangenomprojekt und Nationalen Genomforschungsnetzen in Leitungsfunktionen inhaltlich geprägt und immer wieder das große Potenzial der Genetik für die Ursachenforschung multifaktorieller Krankheiten hervorgehoben. So war es Propping zuletzt eine große Befriedigung, dass die genetischen Befunde erstmals einen systematischen Einblick in die Ursachen psychiatrischer Erkrankungen ermöglichten.

Die Beschäftigung mit der Genetik psychischer Störungen und der historischen Last dieser Forschung sensibilisierte Propping früh für die ethischen Folgen wissenschaftlichen Handelns. Er wurde ein viel gefragter Experte, bezeugt etwa durch seine Tätigkeit im Nationalen Ethikrat. Der für seine wissenschaftlichen Leistungen vielfach ausgezeichnete Propping genoss hohe Wertschätzung: 2001 wurde er in die Leopoldina aufgenommen, zuletzt war er Mitglied von Senat und Präsidium. Er übernahm auf vielen Ebenen Verantwortung, unter anderem als Vorsitzender der Gesellschaft für Humangenetik, als Dekan der Fakultät und als Prorektor für Forschung der Universität. Wichtig war ihm auch die Wissensvermittlung in die breite Ärzteschaft: So war er Mitglied der wissenschaftlichen Beiräte von Bundes­ärzte­kammer und Deutschem Ärzteblatt.

In Peter Propping verbanden sich intellektuelle Schärfe, unermüdlicher Fleiß und ein offener, unprätentiöser Charakter. Dies hat ihm nicht nur die Anerkennung, sondern auch die Zuneigung seiner vielen Mitarbeiter und Schüler eingetragen.

Die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben einen ihrer profiliertesten und angesehensten Vertreter verloren. Markus Nöthen

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Personalien

    Personalien

    Constantin Klein: Brückenbauer zwischen Medizin und Theologie
    Dieter Pöller †: Musik als Gegenpol zum Umgang mit Krankheit
    Eckart Fiedler: Streiter für Kassenärzte und Krankenkassen
    Helmuth Deicher †: Pionier der klinischen Immunologie
    Joachim Mössner: Spezialist für die Pathogenese der Pankreatitis
    Ruth Pfau †: Ein Leben im Dienst der Leprakranken
    Dieter Mitrenga †: Tatkräftiger Menschenfreund
    Jörg Fuchs: Die deutsche Chirurgie konkurrenzfähig machen
    Karen Walkenhorst: Frauenpower im Vorstand der TK
    Karin Oechsle: Angehörige von Krebskranken im Fokus
    Ingrid Fischbach: Neue Patientenbeauftragte der Regierung
    Ayman Mohssen: Sprecher für Deutschlands Medizinstudierende
    Titus Brinker: Weltweite Nichtraucher-Initiative
    Martina Kadmon: Augsburger Gründungsdekanin
    Arthur Konnerth: Impulsgeber für die Neurowissenschaften
    Christiane Woopen: Vordenkerin für ethische Fragen
    Tanja Germerott: Visionen für das Fach Rechtsmedizin
    Cornel Sieber: Experte für die Biomedizin des Alterns
    Gerd Heusch: Aktiv für die Herzgesundheit
    Tedros Adhanom Ghebreyesus: WHO-Generalsekretär nach Kampfabstimmung
    Michael Manns: Kampagne gegen Hepatitis C
    Christoph Specht: Erklärer der wesentlichen Dinge
    Christine Faller: Koordinatorin für Rezeptqualität
    Stefanie Speidel: Navigatorin im OP
    Heiner Greten: „Leibarzt“ von Helmut Schmidt
    Birgit Timmermann: Kandidatin für die Sozialwahl
    Mark Wainberg †: Pionier der HIV-Forschung
    Benjamin Beyersdorf: Radler zwischen den Welten
    Sedar Küni: Türkischer Arzt seit Monaten in Haft
    Emmanuelle Charpentier: Pathogenen auf der Spur
    Sylvia Thun: Einsatz für IT-Standards im Gesundheitswesen
    Hugo Katus: Erfinder des Troponin-Tests
    Jürgen Möller-Nehring: Stimme der Opfer des Blutskandals
    Bernhard Riedl: Leidenschaftlicher Hausarzt und Lehrer
    Helmut Haid: Koryphäe der Phlebologie wird 100
    Ingeborg Rapoport †: Begründerin der Neonatologie
    Inge Paulini: Strahlenschutz in der Forschung im Visier
    Ulrich M. Gassner: Fragestellungen des E-Health-Rechts im Blick
    Thomas Mertens: Virologe ist neuer Leiter der STIKO
    Thomas Earl Starzl †: Pionier der Lebertransplantation gestorben

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige