ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2016Börsebius: Hoch die Tassen, nieder mit dem DAX

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Börsebius: Hoch die Tassen, nieder mit dem DAX

Dtsch Arztebl 2016; 113(20): A-997 / B-837 / C-821

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Seit es die Börse gibt, gibt es Weltuntergangspropheten für die Finanzmärkte und Auguren, die fulminante Kursexzesse nach oben vorhersagen. Ich kenne diese Spezies von Experten schon recht lange. Vor zwei Jahrzehnten versetzte Roland Leuschel von der Banque Bruxelles Lambert die Märkte mit düsteren Einbruchsszenarien ein ums andere Mal in Aufregung. Als Kontrapunkt nach oben trat damals der Ex-Deutschbanker Heiko Thieme als Eintänzer für einen stark steigenden Dow Jones auf. Wir wissen, dass beide auch mal recht hatten, aber eben zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten. Das Schöne an Prognosen ist: Lange genug gewartet, bestätigen sie den Protagonisten auf’s Trefflichste.

In neuerer Zeit verdiente sich den Titel eines Dr. Doom der US-Starökonom Nouriel Roubini. Schon vor zehn Jahren sah er die Eurozone zusammenbrechen, die sich der Prognose allerdings bislang entziehen konnte.

Und seit einigen Wochen macht ein gewisser Albert Edwards Furore. Der Mann von der französischen Bank Société Générale hat ein Faible für bunte Hawaii-Hemden – und für krasse Statements in Sachen DAX. Albert erwartet einen kolossalen Einbruch des deutschen Aktienindex. Seine Prognose: Der DAX knallt unter 3 000 Punkte. Chapeau für so viel Mut. Edwards’ Begründung ist eine bevorstehende tiefe Rezession, die die Börsen implodieren lässt. Der Aufstieg der Populisten leiste ein Übriges zum Verfall der Märkte, weil die Politiker sich nichts Konstruktives mehr trauten. Und die Notenbanken würden mit ihrer Gelddruckmanie dem kommenden Desaster Vorschub leisten. So modern Edwards (optisch) daherkommt: Neu sind seine Attacken nicht. Er predigt den Untergang schon seit zehn Jahren. Bisher hat er nicht recht behalten.

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Im Moment halte ich eher nichts von der Theorie eines DAX-Absturzes. Zumindest solange die Volkswirtschaften noch miteinander vernetzt sind, glaube ich an einen Sieg der Ökonomie und der wirtschaftlichen Vernunft. Statt „nieder mit dem DAX“ sehe ich eher „hoch die Tassen“ und damit weiter steigende Kurse. Aber: An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.

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