ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2016Frage der Woche an . . . Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Leiter des Instituts Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Leiter des Instituts Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg

Ihrer aktuellen Studie zufolge ist gesellschaftliche Akzeptanz für die Nachhaltigkeitsaktivitäten von großen Unternehmen wichtiger als die Aussicht auf mehr Gewinn. Auch die Mitarbeitermotivation spielt demnach beim Nachhaltigkeitsmanagement eine größere Rolle als der Profit. Woran machen Sie diese Ergebnisse fest?

Dtsch Arztebl 2016; 113(20): [4]

Glöser, Sabine

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Ihrer aktuellen Studie zufolge ist gesellschaftliche Akzeptanz für die Nachhaltigkeitsaktivitäten von großen Unternehmen wichtiger als die Aussicht auf mehr Gewinn. Auch die Mitarbeitermotivation spielt demnach beim Nachhaltigkeitsmanagement eine größere Rolle als der Profit. Woran machen Sie diese Ergebnisse fest?

Schaltegger: Es ist gängige Ansicht, dass Unternehmen sich nur dann für Umwelt und Soziales engagieren, wenn dies ihren Gewinn steigert. Allerdings zeigt unsere empirische Studie, dass dieses Klischee zumindest für Großunternehmen in Industrieländern nicht zutrifft. Treibende Kraft hinter den Aktivitäten des Nachhaltigkeitsmanagements großer Unternehmen ist vor allem das Streben nach Legitimität. Gewinnmaximierung spielt dagegen eine untergeordnete Rolle.

Gestützt auf einer breiten Analyse der Unternehmenspraxis zeigt die Untersuchung erstmals, dass die Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz handlungsleitend ist. Dazu haben wir Nachhaltigkeitsmanager von 432 der umsatzstärksten Unternehmen in zehn Industrieländern in Europa, Nordamerika und Asien über ihre umgesetzten Aktivitäten im Nachhaltigkeitsmanagement befragt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sowohl bei der Zielsetzung als auch bei der organisatorischen Verankerung und Umsetzung dominieren Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die die Mitarbeitermotivation und den Reputationszuwachs des Unternehmens verbessern. Dies führen wir auf den starken Einfluss externer Stakeholder zurück. So unterstützen legitimitätsorientierte Akteure wie Medien, Öffentlichkeit oder Nichtregierungsorganisationen Nachhaltigkeitsmaßnahmen aktiver als Banken, Ratingagenturen oder Anteilseigner. Dies spiegelt sich in der organisatorischen und personellen Verankerung in den Unternehmen wider: PR-, Kommunikations- und Rechtsabteilungen sind öfter mit Nachhaltigkeitsmanagement betraut als Finanz- und Rechnungswesensabteilungen.

Zu den am häufigsten verwendeten Methoden zur Umsetzung von Umwelt- und Sozialmaßnahmen gehören das Veröffentlichen von Nachhaltigkeitsberichten, soziales oder kulturelles Sponsoring, Unterstützung lokaler Gruppen und Stakeholder-Dialoge. Erst deutlich dahinter angesiedelt sind gewinnorientierte Methoden wie Öko-Effizienz-Berechnungen, Materialfluss- oder Umweltkostenrechnungen.

Kaum ein Unternehmen misst die wirtschaftlichen Wirkungen von Nachhaltigkeitsmaßnahmen und einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz. Man ist damit zufrieden, wenn das Nachhaltigkeitsengagement die gesellschaftliche Akzeptanz sichert und das bisherige Geschäftsmodell nicht infrage gestellt wird. sg

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